Best of Berlin

Im Namen der Rose

Die Königin unter den Blumen ist in der Stadt allgegenwärtig. In Duftwasserflakons und in Straßennamen, im üppigen Gärten oder auf edler Schokolade. Eine Auswahl

Kreuzberg: Rosenduft zum Mitnehmen im Flakon

1. „Rosen zu destillieren, ist äußerst aufwendig“, sagt Duftexpertin Sarah Phumdorkmai. Für einen Tropfen Öl braucht man sehr viele Blütenblätter.“ Dennoch gehört Rosenwasser in viele Parfüms. In der Kreuzberger Parfümerie gibt es rund 30 Duftkreationen, vor allem die blumigen sind unter Verwendung von Pfingstrosen und jungen Rosen entstanden. So beispielsweise der Duft im Flakon No. 39, „Rose de France“ mit Rosen- und Eukalyptusnoten. Wöchentlich wird ein Gruppen-Schnupperkurs für Hobby-Parfümeure (ab 89 Euro) angeboten.

Frau Tonis Parfum Kreuzberg, Zimmerstraße 13, U6 Kochstraße, Mo.–Sbd. 10–18 Uhr, Tel. 20 21 50 10, www.frau-tonis-parfum.com

Köpenick: Brautsträuße und der Hauptmann von Köpenick

2. Strahlende Bräute und Brautsträuße aus Rosen, dieses Bild ist in der Rosenstraße fast Alltag, befinden sich doch Ecke Alt-Köpenick das Rathaus und Standesamt. Oft mit auf dem Foto der frisch getrauten Paare: eine Skulptur des Hauptmanns von Köpenick. Dass der lebendig ist, beweist der Wirt der urigen Restauration „Zur Gardestube“ in der an das alte Berlin erinnernden Rosenstraße. Michael Sternbeck gehört zur Hauptmannsgarde, die mittwochs und sonnabends am Rathaus auftritt.

Rosenstraße Köpenick Tram 27, 60, 61, 62, 67, 68 Rathaus Köpenick, Restauration Zur Gardestraße, Rosenstraße 3, Mo.–Sbd. 11.30–22 Uhr, Tel. 641 674 31

Britz: Der blühende „Sebastian Kneipp“

3. „William Shakespeare“ duftet stark, „Compassion“ fruchtig. „Sebastian Kneipp“ blüht von Juni bis Oktober durchgehend. Das sind nur drei von insgesamt rund 200 Sorten und etwa 5500 Rosenpflanzen, die im 12.000 Quadratmeter großen Rosengarten blühen. Der nach historischen Vorbildern gestaltete Garten mit seinen berankten Pergolen und von ordentlich geschnittenen Buchsbaumhecken umgebenen Beeten ist ein wahres Dufterlebnis.

Rosengarten im Britzer Garten Eingang Sangerhauser Weg, Britz, U6 Alt-Mariendorf, dann Bus 179, Sangerhauser Weg, tägl. ab 9 Uhr, Eintritt 2 Euro, erm. 1 Euro, Tel. 60 09 06 80, gruen-berlin.de

Charlottenburg: Erinnerung an avantgardistische Kunst

4. Die Galerie Rosen sucht man heute vergeblich. Sie wurde bereits 1962 geschlossen. An sie zu erinnern aber lohnt, war sie doch die erste private Galerie nach dem Krieg – im Fokus: avantgardistische Kunst des 20. Jahrhunderts. Der jüdische Buchhändler Gerd Rosen eröffnete sie zusammen mit dem Kunstsammler Max Leon Flemming und dem Maler Heinz Trökes bereits Anfang August 1945. 1949 wurden neue Ausstellungsräume in der Hardenbergstraße bezogen. An Rosen erinnert seit 1986 eine bronzene Gedenktafel – nicht leicht zu finden, sie wurde an der rechten Balkonseite im ersten Stock angebracht.

Gerd Rosen Gedenktafel Kurfürstendamm 215, Fassade 1. Stock, Charlottenburg, U1 Uhlandstraße

Mitte: Blüten auf edler Schokolade

5. Blüten im allgemeinen und Rosen im Speziellen sind essbar. Dazu sind sie eine äußerst ansehnliche Dekoration. Im Atelier Cacao wird dies zu süßen Verführungen zusammengeschmolzen. So manche Tafelschokolade wird mit Blüten getoppt. So schmücken Rosenblätter die Schokoherzen (ab 1,50 Euro). Ein Blütenmix aus Rosen-, Lavendel- und Ringelblumen-Blättern verziert eine andere Schokolade. Rosenwasser findet sich in den Orangenmarzipan-Pralinen (Stück 80 Cent), ist es doch essenzieller Bestandteil von Marzipan.

Atelier Cacao Linienstr. 139/140, Mitte, Di.–Fr. 10–19 Uhr, Sbd.+So 12–19 Uhr, U6 Oranienburger Tor, Tel. 34 50 26 80, www.atelier-cacao.de

Prenzlauer Berg: Brot und Rosen für die Streikenden

6. Manchmal, sagt Wirt Enzo, würden Rosenblätter auf die Tische gestreut. Bei privaten Festen sei dies der Fall. Sonst aber besäße der Name „Il Pane e le Rose“ keinen floralen Hintergrund. Vielmehr geht der Name des Szene-Italieners auf einen Slogan der Gewerkschaftsführerin und Feministin Rose Schneideman zurück, die in einer Rede sagte: „The workers must have bread, but she must have roses, too.“

Il Pane e le Rose Am Friedrichshain 6, Prenzlauer Berg,Bus 200 Am Friedrichshain/Hufelandstraße, Tram M4 Am Friedrichshain, tägl. ab 12 Uhr, Tel. 423 19 16

Tiergarten: Märchenhafter Garten mitten in der Stadt

7. An der eisernen Eingangstür steht „Ruhezone: Radfahrer bitte absteigen“. Und so wandelt man als Spaziergänger unbehelligt auf den Kieswegen des übersichtlichen, symmetrisch angelegten Rosengartens. Rosenzüchter Peter Lambert hat den Garten 1909 angelegt. In seiner Harmonie, mit vier Rosen-berankten,sechseckigen Pergolen, Schönheiten wie der pinkfarbenen „Big Purple“ oder der englischen Rose „Gertrude Jekyll“, Parkbänken, Statuen und Brunnen (derzeit umzäunt) hat der Garten etwas Märchenhaftes.

Rosengarten im Tiergarten Straße des 17. Juni zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor, bis 31.10. tägl. 7–21 Uhr geöffnet, Nov.–März geschlossen

Dahlem: Betörend duftende Wildrosen

8. Solange die „Rosa persica“ nicht blüht, ähnelt sie kaum einer Rose. Dann aber wird sie zur gelbblütigen Schönheit. Die Wildrose ist eine Rarität und wächst eigentlich in Wüste und Steppe. Doch es gibt sie auch im vor zwei Jahren denkmalgeschützt sanierten Rosengarten des Botanischen Museums. Ebenfalls eine Seltenheit ist die in China und Japan bekannte Strauchrose, „Rosa roxburghii“, deren Frucht wie eine Kastanie mit Stacheln aussieht. 430 Arten und Sorten Rosen findet man am Rosenpavillon und im gesamten Garten.

Rosengarten im Botanischen Garten Dahlem, Eingang Unter den Eichen 5–10, Bus M48 Botanischer Garten, Eingang Königin-Luise-Platz, Bus X83 Königin-Luise-Platz/Botanischer Garten, täglich ab 9 Uhr, Eintritt 6 Euro, erm. 3 Euro, Tel. 838 50 100, www.bgbm.org

Tempelhof: Durch die rosarote Brille gesehen

9. Ein Glas Sekt in der einen, eine Rose in der anderen Hand, so betritt Peter Rückert die Bühne, wenn eine Dame im Publikum etwas zu feiern hat. „Ihr überreiche ich dann die Rose“, sagt der Intendant des Revuetheaters „La vie ein rose“, das nächstes Jahr seinen 50. Geburtstag feiert. Wird im Revuetheater geheiratet, steigen weiße Tauben auf, und rote Rosen sind selbstverständlich ein Muss. Der Name, entlehnt von eben jenem berühmten Chanson der französischen Sängerin Edith Piaf, bedeutet so viel wie das Leben durch die rosarote Brille sehen.

La vie en rose im City Airport Tempelhof, links neben dem Haupteingang, Tempelhof, U6 Platz der Luftbrücke, Tel. 69 51 30 00, www.lavieenrose-berlin.de