Kleine Entdeckungen

Die Matrosen kommen

Der Neue Marstall am ehemaligen Schlossplatz in Mitte ist ein Hort von Kreativität und friedlicher Wissenskultur.

Er beherbergt die Stadtbibliothek sowie eine Dependance der Musikhochschule Hanns Eisler. Dort blicken die Kommilitonen täglich Karl Marx und Karl Liebknecht in die Augen, die prominent auf zwei links und rechts des Eingangs angebrachten Bronzetafeln verewigt wurden.

Das geschah 1988. Anlass war der 70. Jahrestag der Novemberrevolution, die Deutschland nach dem Ende des Ersten Weltkrieges erschütterte. Aufständische Matrosen besetzten damals das Schloss und den Marstall gegenüber. Sie wollten die Revolution schützen und der „Volksmarinerat“ bezog Sitz im Marstall, was wiederum zur berüchtigten „Blutweihnacht“ führte, als die Matrosen einen Versuch abwehrten, sie aus dem Gebäude zu vertreiben.

Die Bronzetafeln auf den Außenmauern des Marstalls ehren die revolutionäre Bewegung. Das zweiteilige Relief wurde von DDR-Behörden bei dem Bildhauer Gerhard Rommel in Auftrag gegeben. „Es lebe die soziale Revolution. Es lebe der Frieden der Völker“ steht auf der linken Seite, die rechte zeigt, wie Karl Liebknecht am 9. November die Freie Sozialistische Republik ausruft.

Die Aufständischen ebnen sich darunter ihren Weg. So erfolgreich wie die Tafeln glauben machen könnten, waren sie aber nicht. Wo heute die Reliefs angebracht sind, befanden sich ursprünglich zwei Wandbrunnen.