Kunst

Warten auf Godot

Wer erwartet in der Galerie VW schon einen Kinosaal?

Da sehen wir also Cynthia Loemij, die Tänzerin, streng wie eine Asketin, sozusagen Pina Bausch in jung, wie sie einer Violinsonate lauscht, hoch konzentriert. Sie neigt den schmalen Pferdeschwanz-Kopf, hebt ihn, so, als ob sie jede Note einzeln ins Gedächtnis hinein zählen würde. Stille. Flimmern.

Jetzt erst beginnt ihr Part. Mit den imaginierten Noten im Kopf transformiert sie die Komposition in einen Fluss unterschiedlicher Bewegungen. Wie eine Feder schnellt sie durch den Raum, hart, kantig, zackig. Loemij gehört zur Kompanie Rosas von Anne Teresa Keersmaker, in Holland in etwa so populär wie Sasha Waltz bei uns. Um den Körper an sich oder seine komplette Abwesenheit geht es in der klug komponierten Gruppenschau bei VW. Eine Art Bodycheck. Neu ist das Thema freilich nicht, Künstler haben seit der Antike nichts anderes getan, als den Körper zu malen und zu modellieren. Inwieweit der Körper das pure Kunstwerk an sich sein kann, zeigt Gerard Byrne. Er hat ein Bild von der Rückseite fotografiert. Sieht aus wie ein Kreuz, schließlich ist die Kunst auch ein heiliges Spiel mit den Referenzen. Wie auch in einer seiner Fotografien: „Route á la Campagne“ heißt sie. Becketts „Warten auf Godot“ wird inszeniert, in Form eines mit koloriertem Licht magisch angestrahlten Baumes.

VW, Rudi-Dutschke-Str. 26, Kreuzberg, 5. bis 17. August nur nach Vereinbarung. Bis 14. September.