Kleine Entdeckungen

Das erste Hochhaus der DDR

Blumenverzierte Kacheln, weiße Keramik, schwarzer Marmor, filigraner eiserner Türschmuck: Beim Stichwort „erstes Hochhaus der DDR“ fällt das den wenigsten ein. Doch der Bau an der Marchlewskistraße 25 in Friedrichshain kann optisch durchaus überzeugen. Das Gebäude fasst 33 Wohnungen auf acht Stockwerken. Das neunte Geschoss bildet einen Wintergarten mit umgebender Dachterrasse, das Erdgeschoss beherbergt Ladenflächen. Über dem Eingang hängt eine Bronzetafel mit dem Brecht-Zitat: „Friede in unserem Lande/Friede in unserer Stadt/dass sie den gut behause/der sie gebauet hat“.

Das Wohnhaus hätte es heute eventuell schwer, überhaupt als Hochhaus durchzugehen. Das sah zur Schlüsselübergabe 1952 allerdings ganz anders aus. Die Fertigstellung des Baus war der Auftakt des nationalen Aufbauprogramms für die „Hauptstadt der DDR“. Als „weißen Schwan, der aufsteigt aus den Trümmern Berlins“ beschrieb der verantwortliche Architekt Hermann Henselmann seinen Bau. Sein Stil setzte Maßstäbe für die später in unmittelbarer Nähe hochgezogenen Bauten der Stalinallee.

Die rasant voranschreitenden Bauarbeiten waren in Ost-Berlin ein Medienereignis. In das Fundament wurde eine Kassette eingelassen, die eine Ausgabe der KPD-Zeitung Rote Fahne von 1925 enthielt. Benannt wurde das Hochaus an der Weberwiese übrigens nach der angrenzenden Grünanlage, die einst als Bleichwiese für Weber diente. Heute ist das Haus denkmalgeschützt.