Kino

Eins, zwei, drei – alles Zauberei

Echte Magie und Kino-Illusion gehen selten ineinander auf: „Die Unfassbaren“ mit Staraufgebot

Tritt ein Mann vors Publikum und sagt: „Hier in meiner linken Hand – sehen sie diesen Kaffeelöffel? Ich werde ihn nun verbiegen, allein durch die Kraft meiner Gedanken!“ Der Mann konzentriert sich und schon... Zugegeben, einem Zaubertrick, den man lediglich liest, geht Witz und Überzeugungskraft verloren. Man muss den sich biegenden Löffel schon sehen und zwar live und direkt – man muss dem Unfassbaren zum Greifen nahe gewesen sein, um es tatsächlich nicht fassen zu können.

Entsprechend ist ein Film über die Welt der Zauberkünstler immer ein wenig enttäuschend. Die Herausforderung besteht darin, den Zuschauer diese Enttäuschung möglichst wenig spüren zu lassen und mit welchem Aufwand, mit welchen Tricks und Schaumschlägereien sich die Macher von „Die Unfassbaren – Now You See Me“ dieser Herausforderung stellen, sucht in der Geschichte der Zauberkunstfilme seinesgleichen.

Jack (Dave Franco), der Mann mit dem verbogenen Kaffeelöffel, ist nicht nur ein kleinkrimineller Taschenspieler, der Touristen unterhält, um ihnen dabei unbemerkt das Portemonnaie zu klauen – er strebt auch eine Karriere als Zauberkünstler auf den großen Bühnen an. Die Gelegenheit scheint gekommen, als ihn eine mysteriöse Einladung in eine verwaiste New Yorker Altbau-Etage lockt. Wartet dort etwa ein solventer Varieté-Besitzer oder ein gut vernetzter Talentscout auf ihn?

Nein, hier lungern nur ein paar schlecht gelaunte Kollegen herum, die anscheinend haargenau die gleiche Einladung bekommen haben: Merritt (Woody Harrelson), ein in die Jahre gekommener Mentalist, die Entfesselungskünstlerin Henley (Isla Fisher) und ihr ehemaliger Bühnenpartner Atlas (Jesse Eisenberg). Alle knabbern an der Enttäuschung, dass ihre Einladung nicht ganz so exklusiv zu sein scheint, wie sie das gehofft hatten. Aber alle teilen auch die Neugier miteinander, was sich wohl hinter jener Tür verbergen mag, die sich nun langsam, wie von Geisterhand öffnet.

Ein Jahr später stehen die vier Einzelgänger als blitzblank herausgeputztes Star-Magier-Quartett The Four Horsemen in Las Vegas auf der Bühne und inszenieren den Überfall auf eine Bank in Paris – der zur selben Zeit tatsächlich stattfindet. Während der Kinozuschauer noch dabei ist, diese ziemlich gewagten Sprünge in Zeit und Raum zu verarbeiten, beginnen der übel gelaunte FBI-Agent Rhodes (Mark Ruffalo) – irgendwie sind hier ganz schön viele schlecht drauf) und seine coole französische Kollegin (Mélanie Laurent) mit ihren Ermittlungen. Schließlich will die Bank in Paris ihr Geld zurück, das die Horsemen (zumindest allem Anschein nach) zum Showfinale auf ihr dankbares Publikum hatten herunterflattern lassen.

Wie hier die auf Logik und Intuition fußende Weltsicht der Gesetzeshüter mit der überlegenen Logik und Illusionskraft der Magier kollidiert, ist für Regisseur Louis Leterrier und Drehbuchautor Boaz Yakin ein wahrer Quell der Inspiration – und äußerst unterhaltsam. Darüber hinaus brodeln noch alle möglichen Konflikte vor sich hin. Henley und Atlas haben ein altes Beziehungsding am laufen, das Verhältnis der Horsemen zu ihrem Sponsor Arthur Tressler (Michael Caine) ist angespannt, gleichzeitig wächst der Druck auf die zu Medienstars aufgestiegene Truppe, mit immer spektakuläreren Coups aufzuwarten. Während sich ihr alter Kollege Bradley (Morgan Freeman) beim FBI als Sachverständiger anbiedert, outen sich die Four Horsemen auch noch als moderne Robin Hoods, die ihre magischen Fähigkeiten dazu nutzen, das Kapital von Finanzkrisengewinnlern zurück an die Steuerzahler zu leiten.

„Die Unfassbaren“ ist also ein Heist-Movie, ein Superheldenfilm, Politthriller, Mediensatire und eine Hommage an den klassischen Zauber- und Illusionskünstler, ob er sich nun auf der Straße durchschlägt, oder als millionenschwerer Weltstar seine eigene Show in Las Vegas produziert. Diese einigermaßen irre Mischung schafft es tatsächlich, von der eingangs erwähnten, genre-immanenten Enttäuschung abzulenken – und vorerst auch von der Frage, ob dieser Film nicht selbst seine größte Illusion ist und im Rückblick wie der Rest einer gewaltigen Schaumschlägerei in sich zusammenfallen wird.

Fantasy: USA 2013, 116 min., von Louis Leterrier, mit Jesse Eisenberg, Mark Ruffalo, Woody Harrelson, Morgan Freeman, Michael Caine

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