Berliner Perlen

Schreib mal wieder

Auf nur 16 Quadratmetern bietet Meike Wander in ihrem Geschäft „R.S.V.P. an der Mulackstraße Notizbücher, Hefte und Schreibpapier in besonderem Design

Man hätte es ahnen können, bei diesem Geschäftsnamen. R.S.V.P. Geht es noch kürzer? Noch ein bisschen minimalistischer? Weniger ist mehr, das ist der erste Eindruck, der Kunden der winzigen Papeterie an der Mulackstraße in Mitte überkommt. 16 Quadratmeter Fläche, ein deckenhohes Raumteiler-Regal und ein schmaleres an der Wand, dazu ein Kassentisch. Und trotzdem kommt kein Gefühl von Enge auf in dem hellen Ladenraum mit den hohen Fenstern. Jedenfalls, wenn nicht mehr als fünf Kunden oder Besucher gleichzeitig in den Auslagen stöbern.

R.S.V.P. ist eine Abkürzung aus der französischen Korrespondenzsprache und steht für „répondez s’il vous plaît“, zu Deutsch: „Um Antwort wird gebeten“ (u.A.w.g.). Der Name des Ladens ist Programm: Nicht Beliebigkeit und Masse, sondern Qualität und ein stilvolles, aber reduziertes Design sind die entscheidenden Kriterien von Meike Wander bei der Auswahl ihrer Produkte. „Zwangsweise, allein schon wegen des wenigen Raumes“, sagt sie. Und das klingt keineswegs nach einer Entschuldigung. Immerhin standen Konzept und Firmenname bereits fest, als die studierte Kulturwissenschaftlerin und Ethnologin 2004 die Papeterie übernahm.

Ein Jahr lang hatte sie zuvor bei der Geschäftsgründerin, einer Berliner Grafikerin, gearbeitet. „Während des Studiums hatte ich einen Studentenjob im Museum der Dinge“, erzählt Meike Wander. „Und dann nach dem Abschluss hier zu landen, in diesem Laden, der selbst wie ein Museum der Dinge aussieht, das war wirklich das Beste, was mir passieren konnte.“

Schulhefte aus den USA

Natürlich ist auch der museale Anstrich der Auslagen bei R.S.V.P. kein Zufall. Akkurat ausgerichtet sind Notizbücher und Tischkärtchen, Grußkarten und Kalender, Druckbleistifte und Briefumschläge in den Regalen ausgelegt. Davor informiert jeweils ein kleines weißes Schild über Art und Label des Produkts, gegebenenfalls den Designer sowie den Preis. Wanders Mitarbeiterin Nicole Ernst schiebt mit den Fingern einige Kugelschreiber und das dazugehörige Schildchen wieder in die korrekte Stellung. „Das Geraderücken ist eine der typischen Handbewegungen hier im Laden“, sagt sie schmunzelnd.

Verdient haben die Papeteriewaren bei R.S.V.P. diese an Ausstellungen erinnernde Präsentation unter anderem durch ihre Exklusivität: „So ein Laden geht nur, wenn ich nicht das biete, was schon alle haben“, sagt die Geschäftsführerin. Für ihre klassischen amerikanischen Schulhefte kommen Liebhaber aus ganz Berlin zu ihr nach Mitte gefahren. Dabei hat Wander den Herkunftsraum ihrer Waren ansonsten aus ökologischen Gründen inzwischen eher auf Europa begrenzt. „Früher habe ich schon mal, ohne mit der Wimper zu zucken, 50 Kuverts aus den USA bestellt“, sagt sie und ergänzt: „Die Begrenztheit des Raumes öffnet tatsächlich aber ganz neue Räume. Sie zwingt einfach dazu, sehr streng zu sein in der Auswahl.“ Viele Ihrer Produkte stammen von Berliner Herstellern — Perfektionisten wie Wander selbst, die ihre eigenen Qualitätsstandards formuliert haben.

Drucker Martin Z. Schröder zum Beispiel, der sich schon als Junge für den Buchdruck interessiert hat und in seiner Werkstatt in Prenzlauer Berg alte Bleiklischees verwendet, die er irgendwo aufgekauft hat. Von ihm finden sich Themenkarten unter anderem zur Danksagung im Laden. Oder Sabrina Sundermann, die für ihr Label „Frau Sundermann“ ebenfalls auf Buchstaben aus ausrangierten Setzer-Kästen setzt und ihre Karten per Hand bedruckt. Drucktechniken seien ihr wichtig, sagt Meike Wander und fährt mit dem Finger über eine Stahlstich-Illustration: „Wir haben eigens ein Praktikum gemacht beim Drucker.“ Weil es für sie einen Unterschied mache, ob der Produktionsprozess lediglich Farbe hinterlasse auf dem Papier oder Bild und Schriftzug auch zu spüren seien.

Lebenslange Garantie

Viele der Notizbücher, Hefte oder Schreibpapiere in Wanders Laden sind ohnehin schon vom Material her auffallend anders anzufassen. „Beim Papier ist die Vielfalt an haptischen Erlebnissen sehr groß“, sagt die 39-Jährige. Anderes ist einfach originell gestaltet, wie das Konzeptnotizbuch für Ingenieure und Architekten des italienischen Grafikdesigners Longa, mit durchscheinendem Millimeterpapier als Vorsatzblatt und eingestanztem Häuschen im Deckel.

Wanders Geschenkbänder stammen aus einer Frauenfirma, Wundertüten für kommen von einer Berlinerin, die mit einem Frauenprojekt in Indien kooperiert. Kugelschreiber einer Schweizer Firma hat Wander nicht nur wegen des geradlinigen Designs ins Programm aufgenommen, sondern auch, weil „die alles, bis hin zu den Innereien wie der Schreibflüssigkeit, im eigenen Haus in Genf herstellen“. Ein Schweizer Produkt mit einer lebenslangen Garantie.

R.S.V.P. – Papier in Mitte Mulackstr. 1, Mitte, Tel. 28 09 46 44, Mo.–Do. 12–19 Uhr, Fr./Sbd. 12–20 Uhr, Produkte von R.S.V.P. sind auch im Online-Shop zu haben: www.rsvp-berlin.de