Bühnencheck

Hedwig And The Angry Inch

Umgeben von einer ordentlichen Portion Gossen-Glamour und einem Hauch schäbiger Verruchtheit besingt Sven Ratzke die nachtschwarzen Seiten des Lebens.

Schräge Figuren mit abwegigen Biografien sind seine Spezialität. Wie in der neuen Musicalproduktion am Admiralspalast. Früher hieß Hedwig noch Hansel. Damals in der DDR verliebte er sich in einen GI. Um ihn nach Amerika zu begleiten, wurde er zur Frau. Doch bei der desaströsen Geschlechtsumwandlung blieb ein kleines Stück Hansel zurück, der Angry Inch eben. Nicht der einzige Ärger für Hedwig, die bald geschieden und allein in einem völlig heruntergekommenen Trailerpark festsitzt.

Seit seiner Premiere 1998 am New Yorker Off-Broadway ist John Cameron Mitchells Glamrock-Musical „Hedwig And The Angry Inch“ mit der Musik von Stephen Trask Kult. In Berlin hingegen wollte die Show vor gut zehn Jahren nicht zünden. Das dürfte sich nun ändern. Denn im Admiralspalast Klub, der mit angeschlossener Absinth-Bar in rustikaler Hirschgeweih-Optik eher morbide wirkt, machen Regisseur Guntbert Warns und sein charismatischer Hauptdarsteller Sven Ratzke die Loser-Story mit vierköpfiger Band zum druckvollen, mitreißenden Punkrock-Spektakel. Hoffentlich wird sie in Berlin diesmal ein Dauerbrenner. Verdient hätte sie es allemal.

Admiralspalast Klub Friedrichstr. 101, Mitte, Tel. 47 99 74 99, 3. bis 7.7., 27. bis 30.8. je 20 Uhr, 28 Euro