Bühnencheck

Ein Land im Stresstest

Europa stöhnt unter der schlechten Wirtschaft. Deutschland indes hat sich in schwieriger Situation gar nicht so schlecht gehalten.

Für Arnulf Rating ist das Grund genug, die Nation einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Deshalb reist er landauf, landab, um den aktuellen Stressfaktor zu ermitteln, der seiner Ansicht nach Politik und Wirtschaftsmächtige am meisten interessiert. „Die haben gemerkt, wie gut Deutschland durch die Krise gekommen ist“, sagt Rating. „Je mehr Stress wir hatten, umso besser haben wir gearbeitet, für noch weniger Geld. Und jetzt wollen die gucken: Geht da noch mehr?“

Da werden bei Arbeitgebern nun bald Eurozeichen in den Augen aufglimmen, prophezeit Arnulf Rating. Sie warnt er allerdings: „Es gab auch Stuttgart 21, wo alles angefangen hat, was dann in Ägypten und Syrien weitergegangen ist.“

Dass der vielfach preisgekrönte Berliner einer der besten Polit-Kabarettisten ist, die wir haben, merkt man von der ersten Sekunde an. In seinem aktuellen, zehnten Solo-Programm „Stresstest Deutschland“, das nun letztmalig auf der überdachten Sommerbühne der ufaFabrik zu sehen ist, geht Arnulf Rating gleich in die Vollen. Ganz oben auf seiner Checkliste stehen natürtlich die Banken und der Euro. Auch den Politikern attestiert Rating ungebremste Mitnahmementalität. Nicht nur, wenn sie ihre Ehefrauen auf Kosten der Steuerzahler als heillos überbezahlte Sekretärinnen beschäftigen.

Um das Land auf Herz und Nieren zu prüfen, hat Rating gleich acht Figuren im Gepäck, die seine Fans meist schon aus vorangegangenen Programmen kennen. Allen voran Zyniker Dr. Mabuse und seine rotbezopfte, resolute Schwester Hedwig, die bekanntlich kein Blatt vor den Mund nimmt bei ihren bissigen, herzerfrischend persönlich gefärbten Analysen unhaltbarer Zustände.

Egal, in welche Figur Rating schlüpft, er lästert und spottet stets meisterhaft. Sein knochentrockener Humor beim Blick hinter die Kulissen von Politik und Gesellschaft beschert dem Publikum permanenten Lach-Stress.

ufaFabrik Viktoriastraße 10–18, Tel. 75 50 30, Vorstellungen 27.–29.6. um 20 Uhr, Tickets 20, erm. 16 Euro, Studenten 12 Euro (nur VVK)