Ausflugstipp

Mit den Kindern zum Luftbrücken-Denkmal

Wenn man dicht vor ihr steht und den Blick an ihr entlang in Richtung Himmel wendet, könnte man beinahe hintenüber kippen.

Die Hungerharke, auch Hungerkralle genannt, ragt am Platz der Luftbrücke seit 1951 imposant in die Höhe. Das Symbol für die Luftbrücke, über die West-Berlin von den Westalliierten 1948/49 mit den sogenannten Rosinenbombern versorgt wurde, erinnert auch an die 78 Menschen, die dabei ums Leben kamen. Regelmäßig liegen dort Blumen. Auch bei unserem Besuch. Nachdem ich meinen Töchtern auf ganz einfache Weise zu erklären versucht habe, warum es dazu kam, verlassen wir den Platz in Richtung Dudenstraße.

Seit ein paar Jahren einspurig in beide Richtungen und mit Fahrradstreifen versehen, ist es hier nicht wirklich leiser geworden – falls das das Ziel der Umgestaltung war. Wir laufen auf Tempelhofer Seite – die Häuserzeile gegenüber gehört zu Kreuzberg – in Richtung Schöneberg. Bald geht die Duden- in die Kolonnenstraße über. Auf Höhe der Hausnummer 24/25 biegen wir durch eine schmucklose Hausdurchfahrt links ab. Es wird schlagartig ruhig. Vor uns liegt der Alte Zwölf-Apostel-Kirchhof. Als erster Gemeindefriedhof wurde dieser im Jahr 1864 gegründet. Zu allen Seiten durch Mauern oder Häuserwände abgeschlossen, ist dies eine kleine ruhige Oase.

Doch nicht nur die Idylle dort macht ihn so besonders. Er gehört zu den kunst- und kulturgeschichtlich bedeutendsten Begräbnisplätzen Berlins und ist wegen seiner bildhauerischen Grabmäler ein Gartendenkmal. Viele Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts sind dort beigesetzt, darunter Schriftsteller Ernst Wichert (1831–1902), Naturwissenschaftler Ludwig Darmstaedter (1846–1927) und Politiker Friedrich Naumann (1860–1919).

Durch ein kleines Tor an der Naumannstraße verlassen wir dieses Idyll. Wir gehen rechts in die Leuthener Straße. Während ich mich frage, welches wohlige Gefühl sich an diesem sonnigen Vormittag in mir ausbreitet, gibt mir eine Gaststätte an der Ecke zur Cheruskerstraße die Antwort: „Harmonie“ heißt sie. Ein paar Meter befindet sich eine Bank. Darauf steht in zarten Buchstaben: „Für Prinzen und Prinzessin“. Schräge Berliner Poesie.

Dahinter ragt der Gasometer Schöneberg empor. Der in den 90er-Jahren außer Betrieb genommene Niedrigdruckgasbehälter auf dem ehemaligen Gelände der Gasag ist 78 Meter hoch und seit 1994 denkmalgeschützt. Politisch begann unser Rundgang, politisch endet er: Am meisten Beachtung fand das Industriedenkmal erstmals wieder im September 2011, als dort Günther Jauchs Polit-Talkshow begann.