Kleine Entdeckungen

Ein Portal sagt „A“

Eines der originellsten Portale der Stadt schmückt die Stadtbibliothek im ehemaligen Marstall.

Gebraucht hat der ausführende Künstler, abgesehen von der guten Idee, nicht mehr dazu als einen einzigen Buchstaben. Von diesem allerdings eine ganze Menge. Nüchterne und opulente, verschnörkelte, ausgefallene oder nur von Archäologen lesbare Variationen des Buchstabens „A“ verteilen sich über die Türflügel in der Breiten Straße in Mitte. Eine typografische Vielfalt von den Hieroglyphen bis in die Moderne.

Insgesamt 117 mit je einem A versehene Quadrate bilden das über vier mal sechs Meter große Eingangsportal des Hauses, das zur Zentral- und Landesbibliothek gehört. Geschmiedet, vergoldet und gefasst hat sie der 1910 in Mariendorf geborene Kunstschmied Fritz Kühn. Im Zuge einer Umgestaltung des Bibliotheksgebäudes wurde seine Arbeit 1965 angebracht. Wie ein Teppich sollte sie das Portal überziehen und dabei kein Schriftbild im eigentlichen Sinne ergeben, sondern symbolisch für die Schriftkultur stehen. Ein verwandtes Lindenblatt-Portal hat er übrigens für die polnische Botschaft Unter den Linden entworfen.