Bühnencheck

Die Gaga-Götter

Griechische Sage trifft Comedy: Warum Göttervater Jupiter mit aushäusigen Eskapaden auffällt, ahnt man, wenn man seine Gattin Juno erlebt hat. Ein wahres Flintenweib. Dass er aber diesmal ausgerechnet Strohwitwe Alkmene zum Objekt seiner Begierde auserkoren hat, sorgt für Ärger. Die betörende Griechin liebt nämlich ihren Angetrauten von Herzen. Deshalb muss Jupiter zur List greifen und sich in Gestalt ihres Gatten Amphitryon eine Liebesnacht erschleichen. Sohn Merkur lässt er dabei vorsorglich in Gestalt von Diener Sosias aufpassen. Dumm nur, dass der gehörnte Ehemann just in dieser Nacht vom Feldzug heimkehrt und Sosias vorausgeschickt hat. Der ist leider nicht der Hellste, weshalb das Verwechslungsspiel eskaliert.

Der Seitensprung von Jupiter ist seit der Antike ein Bühnenhit. Keiner hat den Stoff jedoch so frivol in Dramenform gebracht wie Jean-Baptiste Molière. Eine Steilvorlage für die Komödienspezialisten vom Hexenkessel Theater. Die modernisierte Fassung von Carsten Golbeck mit vielen überraschenden Gags in der Regie von Sarah Kohrs begeistert durch leichtfüßigen Humor, gnadenlosen Slapstick, geistreiche Anspielungen und die ungebremste Spielfreude des Ensembles.

Die Figuren sind in die heutige Zeit geholt. Egal, ob nun der gockelhaft-selbstverliebte Jupiter (Milton Welsh), sein arroganter Sohn Merkur (Roger Jahnke), der wunderbar trottelige Sosias (Vlad Chiriac), seine burschikos-esoterische Gattin Clea (Carsta Zimmermann), die ihm schon mal ein Aura-Cleaning empfiehlt, Anja Pahls verliebt-wehrhafte Alkmene oder Matthias Horns effektvoll aufbrausender Amphitryon. Der Klassiker strotzt nur so vor Lebendigkeit und überbordendem Witz.

Hexenkessel Theater im Amphitheater Monbijoupark, Mitte, Tel. 28886 69 99, Di.-Sbd. 19.30 Uhr, 11., 12.6., 21 Uhr, 13.6., 20 Uhr, 13-19 Euro