Fantasy

Plötzlich Eltern

Das Wunschkind wächst im Gemüsebeet, Blattgrün inbegriffen: „Das wundersame Leben des Timothy Green“

Eher wunderlich statt wundersam, dieses Leben des Timothy Green. Denn Timothy ist keineswegs ein gewöhnlicher Junge, sondern ein Geschöpf mit messianischen Fähigkeiten, das in einer magischen Nacht im heimischen Gemüsegarten heranwuchs. Doch vielleicht mal lieber der Reihe nach.

Im Zentrum dieser bizarren Grünpflanzengeschichte steht ein prinzipiell glückliches, doch gerade schwer betrübtes junges Ehepaar: Dr Facharzt hat den Greens nämlich gerade eröffnet, dass sie ihre Sehnsucht nach einem eigenen Kind wohl ein für alle Mal begraben müssen. Was die beiden dann gewissermaßen wortwörtlich in die Tat umsetzen. Indem sie einfach all die Eigenschaften ihres erhofften Wunschkindes auf kleine Zettelchen schreiben und in einem Kästchen im Garten verscharren – doch ein kurzes, aber heftiges und irgendwie magisches Unwetter später und genau dieser imaginierte Wunschnachwuchs hat sich dann im Gemüsebeet materialisiert. Timothy heißt dieses zarte, doch bereits etwa zehnjährige Pflänzchen. Und es reicht, dass er ganz einfach „Mama“ sagt, um alle etwaigen Zweifel über dessen doch recht sonderbare Herkunft sofort zu beseitigen.

Jetzt sind die Greens also endlich eine rundherum glückliche Familie. Weshalb nun viel gestrahlt und geherzt und vor Freude geweint wird. Und gekübelt wird dann großzügig auch noch. Denn „Das wundersame Leben des Timothy Green“ möchte uns noch allerhand gewichtige Lebenslektionen mit auf den Weg geben. So bezaubernd der kleine Knirps nämlich sein mag und so sehr er alsbald nicht nur die Eltern, sondern auch sämtliche Bewohner des selbstverständlich malerischen Dorfes beglückt: Dieser Timothy hat einen Makel. Oder zumindest empfindet das seine Ziehmutter so. Timothy wachsen doch tatsächlich kleine grüne Blätter aus den Beinen!

Schamvoll versucht Mutti das Geranke unter bunten Socken zu verbergen. Obwohl doch gerade dieses zarte Grün den Jungen so besonders macht. So wie bei dem seltsamen Mädchen mit dem großen Muttermal, das jedoch über eine sensible Künstlerseele verfügt. Und wie bei der alten harschen Dame mit unschönem Ziegenbart, die aber lediglich ihr gutes Herz zu verbergen trachtet. Oder wie bei dem schwulen Gärtner, dessen Homosexualität hübsch dezent mit feschem Halstuch signalisiert wird, der aber schließlich sein Glück im Gemeindechor findet. Denn gerade individuelle Abweichungen bringen eine Gesellschaft zum Blühen, möchte uns Timothy Green hier wohl sagen. Und unterstreicht diesen Punkt, in dem dann alle gemeinsam die vom Konkurs bedrohte Bleistiftfabrik retten.

Vielleicht hätte ja ein junger Tim Burton aus dieser sicherlich gut gemeinten, doch geradezu haarsträubend idiotischen Geschichte noch irgendetwas Brauchbares zaubern können. Regisseur Peter Hedges kann es allerdings nicht.

Fantasy: USA 2012, 105 min., von Peter Hedges, mit Jennifer Garner, Joel Edgerton, Dianne Wiest, CJ Adams

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