Kunst

Stadtwanderer mit der Camera obscura

Es ist schwer zu sagen, was Hanns Zischler eigentlich ist. Klar, die meisten kennen ihn als Schauspieler, oft spielt er den charmanten Fiesling oder den bösen deutschen Onkel.

Er hat mit großen Regisseuren gearbeitet, mit Wenders, Spielberg, Lilienthal, auch mit Cabrol.

Der Mann macht viel, viel mehr. Er veröffentlicht Hörbücher, er übersetzt seit Jahrzehnten, etwa schwere Texte von Jacques Derrida, schreibt schöne Bücher wie kürzlich „Berlin ist zu groß für Berlin“. „Sind halt verschiedene Leidenschaften“, sagt er. Und, ja, nicht zu vergessen, er fotografiert. Und zwar verblüffend poetisch, sehr malerisch.

Nun stellt er in der Alfred Ehrhardt Stiftung seine Schau „Nach der Natur“ vor. Er nennt sich einen „Stadtwanderer“, der bestimmte Orte, die sein Interesse wecken, aufsucht. Und wir fragen uns, wie viel Schauspieler eigentlich in seinen Fotos steckt. Denn Zischlers Bilder zeigen alle wundersame Wandlungen, Transformationen zwischen Natur, Realität und Imagination. „Windsbraut, hocherregt“ sieht aus wie ein Gazeschleier, der über wilden Rosenbüschen schwebt, ist aber schlicht der Wind, der sich dort verfangen hat. Zischlers fotografiert mit der Camera obscura, die Urmutter aller Kameras. Der Clou ist eben die minutenlange Belichtungszeit, die den Bildern das Atmosphärische gibt.

Alfred Ehrhardt Stiftung, Auguststr. 75, Mitte. Di-So 11-18 Uhr. Do bis 21 Uhr. Tel. 200 95333. Bis 30. Juni. Katalog: 24,80 Euro.