Kleine Entdeckungen

Der Roland vom Märkischen Museum

Aufrecht steht er neben dem Eingang zum Märkischen Museum.

Den verwitterten Stein umweht der Hauch von Jahrhunderten Stadtgeschichte – allerdings der Brandenburgs. Berlin hat hier zwar einen Roland, doch erzählt die Kopie dieses 1474 geschaffenen Originals die Geschichte, warum die Stadt eben eigentlich keinen hat, zumindest sehr lange keinen hatte.

Von anderen hereinreden lassen wollten sich die Berliner noch nie. Auch nicht im 15. Jahrhundert, als die Doppelstadt Berlin-Cölln zäh ihre Selbstständigkeit verteidigte. Für diese stand der Roland, der in jenen Zeiten das Recht der eigenen Gerichtsbarkeit verkörperte. Dem Kurfürsten Friedrich II. von Brandenburg war diese jedoch ein Dorn im Auge.

Mittels eines Überläufers aus den Berliner Ständen konnte der Kurfürst eine Belagerung der Stadt schnell für sich entscheiden und die widerständigen Berliner zur Aufgabe zwingen. Seine erste Maßnahme: Er ließ seine Ritter den Roland zerstören und die Reste in die Spree stoßen. Obendrein wurde der Berliner Bär dazu verdammt, ab sofort ein Halseisen zu tragen, mit dem er fortan und noch bis 1876 dargestellt wurde. Erst 1902 bekam die Stadt wieder ein Rolandstandbild, das damals am Kemperplatz aufgestellt wurde. Wenige Jahre später kam der Abguss des Brandenburger Rolands vor dem Märkischen Museum hinzu.