Zwölf Stunden

Zu Hause bei Nofretete

Ausleuchten, polieren, restaurieren: Im Ägyptischen Museum auf der Museumsinsel halten Mitarbeiter die Ausstellung „Im Licht von Amarna“ in Schuss. Ein Besuch vor Ort

08:00 Langsam erwacht das Ägyptische Museum. Die frisch gewischten Böden sind getrocknet, das Licht geht an. Ein guter Moment für Haustechniker Marcus Malchow ein paar Glühbirnen zu ersetzen. 3500 Leuchtmittel tauscht Malchow pro Jahr im Neuen Museum aus. Da die Decken sehr hoch sind, bedeutet das jedes Mal: den Hubsteiger holen. Hoch fahren lassen, Birne raus, Birne rein, schauen, dass die Ausrichtung noch stimmt, runter fahren lassen, nächste Station anfahren. Vor den Öffnungszeiten natürlich.

09:00 Zum Job als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Ägyptischen Museum gehört für die Ägyptologie-Studentin Jessica Mettlen auch, in regelmäßigen Abständen zu saugen. Ausgerüstet mit einem kleinen Handstaubsauger und verschiedenen Aufsätzen läuft sie zielstrebig in die Sonderausstellung „Im Licht von Amarna – 100 Jahre Fund der Nofretete“. Vorsichtig saugt sie Zentimeter für Zentimeter im 1:50-Holzmodell des Kleinen Aton-Tempels, der in der Stadt Amarna stand, ab.

10:00 An den Kassen sind die Displays mit den Ticketpreisen und Besucherzahlen angeschaltet. Prospekte und Flyer liegen ordentlich aufgereiht auf dem Tresen. Dann öffnen die Sicherheitsleute die Türen. Schon gibt es eine erste kleine Schlange am Ticketschalter und an der Garderobe.

11:00 Jens Friedrich und Dominique Kluxen von der Firma Museumstechnik sind heute zum ersten Mal nach der Eröffnung im Dezember wieder in der Amarna-Ausstellung. Nach Vorgaben des Architekturbüros Duncan McCauley hatten sie den sogenannten Sonnenkeil entworfen. Ein gelblich leuchtender Keil, der den Raum der Ausstellung durchschneidet wie Sonnenstrahlen die Luft. Da die Schau bis August 2013 verlängert wurde, müssen Kluxen und Friedrich checken, ob die Stoffbespannung um die Metallkonstruktion noch richtig fest sitzt. Alles passt.

12:00 Metall braucht eine Luftfeuchtigkeit von 35 Prozent. Holzobjekte brauchen 55 Prozent Luftfeuchtigkeit. Jedes der besonders empfindlichen, jahrtausende alte Objekte hat seine eigene Vitrine. Und in jeder Vitrine herrscht ein individuell eingestelltes Klima, erkennbar an den kleinen digitalen Messgeräten. Und auch die Ausstellungsstücke, die frei im Raum stehen, brauchen ein konstantes Klima. Margret Pohl, Restauratorin für organische Materialien wie Holz oder Elfenbein am Ägyptischen Museum, macht ihren ersten Gang von zweien pro Tag durch das Haus. Sie schaut auf jedes Messgerät und notiert sich die Daten.

13:00 Christian Dzaak erklärt der französischen Besuchergruppe geduldig die Funktionsweise der Audioguides. Auf Französisch. Er könnte das auch auf Englisch. Manche seiner Kollegen beherrschen sogar sechs Sprachen. Für Kinder hat die Besucherdienst-Abteilung unter Wolfgang Davis jetzt sogar extra Multimedia-Guides entwickelt. Mit großem Erfolg. Selbst in einer Ausstellung wie Amarna, die für Kinder etwas weniger Spannung bietet, bleiben die Kleinen jetzt stehen und lassen sich via Tablet die Welt der Nofretete in animiertem Bild und Ton erläutern. Bisher ein einmaliges Angebot weltweit.

14:00 Handschuhe an und dann hebt Sandra Steiß die kleine Statuette mit der Nummer 16616 auf den Tisch. „Musiker mit Doppeloboe“ heißt das Stück. Es soll fotografiert werden. Von allen vier Seiten. Die Fotografin des Ägyptischen Museums stellt das Licht so ein, dass der kleine Musiker zu keiner Seite einen Schatten wirft. Dann drückt sie ab. Von vorne, hinten und den Seiten.

15:00 Paletten mit Steinen und schweren, schwarzen Steinstatuen stehen in der klimatisierten Werkstatt von Gisela Engelhardt. Die Restauratorin für Steinobjekte hat sich einen Ptolemer wie zur Operation auf einen Tisch gelegt. Mit einem kleinen Pinsel streicht Engelhardt Harz in einen winzigen Haarriss im Steingewand der Statue. Dann deckt sie den Ptolemer mit einem weißen Tuch wieder zu. Das Harz muss jetzt trocknen. In der Zwischenzeit wird sie mit einer Zahnbürste ein Relief von Staub und alter Farbe befreien.

16:00 Ausstellungsarchitekt Noel McCauley hat heute einen Termin mit Friederike Seyfried, Direktorin des Ägyptischen Museums und Kuratorin der Sonderausstellung. Im Raum der Nofretete machen sie Halt. In einer Ecke steht eine bronzene Nachbildung der ägyptischen Herrscherin. Frei. Ohne Vitrine. Es ist ein besonderer Service für blinde Besucher, der unter Friederike Seyfried extra für die Sonderausstellung eingeführt wurde: Nachbildungen besonders interessanter Exponate zum Anfassen und mit Erläuterungen in Brailleschrift. Die bronzene Nofretete hat schon ganz goldene Lippen, Wangen, Nase und Augenbrauen vom vielen Berührtwerden. Auch Sehende freuen sich offensichtlich sehr über die Königin zum Anfassen. Sie wird wohl neben der Original-Büste stehen bleiben.

17:00 Margret Pohl hatte mittags festgestellt dass in einer Vitrine die Luftfeuchtigkeit nicht genau stimmt. Jesco Göhner von der Arthandling-Firma EMArt schraubt den Boden der Vitrine auf. Er zieht eine Kiste mit Tonkugeln heraus und tauscht sie gegen eine neue aus. Diese Tonkugeln oder andere Granulate sind in der Lage, das Klima in den Vitrinen ganz genau zu regulieren, damit die Objekte keinen Schaden nehmen.

18:00 Eigentlich hat sie schon Feierabend, aber Nina Loschwitz, Restauratorin für Keramik, will noch eben ihr Puzzle fertig stellen. obwohl: Fertig wird es wohl heute nicht mehr, aber zumindest eine der vielen Scherben kann sie noch ankleben. Vielleicht ist es dann morgen soweit. Oder eben erst nächste Woche. Hunderte Scherben zu sortieren und sie korrekt wieder zu Tongefäßen zusammenzusetzen ist ein Geduldsspiel.

19:00 Donnerstags haben auch der Museums-Shop und der extra eingerichtete Shop zur Amarna-Ausstellung bis 20 Uhr geöffnet. Bevor die Referatsleiterin Merchandising Elisabeth Rochau-Shalem heute nach Hause geht, kommt sie noch auf einem Sprung im Shop bei Bettina Ptassek vorbei. Ist noch genügend da? Was muss nachbestellt werden? Einige der Artikel im Amarna-Shop wurden extra für die Ausstellung entwickelt. Rund 200 verschiedene Artikel zum Thema Amarna gibt es. Rochau-Shalem notiert sich noch, was sich heute am besten verkauft hat. Auf dem Nachhauseweg denkt sie schon über neue Idee zur nächsten Ausstellung nach.