Kleine Entdeckungen

Gespräche mit Luther

Unmerklich geht die Carl-Schurz-Straße, eine beliebte Straße in der Spandauer Altstadt, in den schattigen Reformationsplatz über.

Imposantes Herzstück ist die gotische St. Nikolai-Kirche, ein seltenes mittelalterliches Zeugnis aus den Ursprüngen der Stadt. Vor dem Haupteingang steht eine überlebensgroße Bronzestatue auf hohem rotem Granitsockel, die Hommage an Joachim II von Brandenburg.

Er empfing in der 1468 fertiggestellten, auf Grundmauern des 13. Jahrhunderts errichteten Nikolaikirche am 1. November 1539 öffentlich das Abendmahl „in beiderlei Gestalt“, also katholisch wie evangelisch. Das symbolisierte seinen Übertritt zum protestantischen Glauben. So führte er offiziell die Brandenburger Reformation ein. St. Nikolai wurde religiöses Zentrum.

350 Jahre später beauftragten mehrere Brandenburgische Städte den für seine monumentalen Porträtplastiken berühmten Bildhauer Erdmann Encke, dem Wegbereiter des Protestantismus ein Denkmal zu setzen. Bronzereliefs erzählen der Nachwelt von damaliger evangelischer Erziehung, von Gesprächen des Kurfürsten mit Melanchthon und Luther, und zeigt die Abendmahl-Zeremonie. Ein Ereignis, mit dem der ansonsten umstrittene Joachim, der verschwenderische, baubesessene Kunstliebhaber und Urvater des Kurfürstendamms, entscheidende Weichen der Geschichte stellte.