Bühnencheck

Kriminelle Ehe

Anfangs noch sitzt Gilles die Angst im Nacken, dass seine Erinnerungen nicht zurückkehren könnten, leidet er doch nach einem Unfall an Gedächtnisverlust. Besorgt lässt er sich daher von seiner Frau Lisa ihr gemeinsames Leben erklären. Aber bald schon wird er stutzig: Einerseits soll es erotisch auch nach 15 Jahren zwischen ihnen noch ordentlich funken, andererseits gibt er auch den ergebenen Begleiter bei Lisas Shoppingtouren. Bald drängt sich Gilles die Frage auf, ob Lisa tatsächlich seine Ehefrau ist. Und was geschah eigentlich wirklich in der Nacht des Unfalls? Lisa indes rätselt, ob Gilles’ Amnesie nur vorgetäuscht ist.

Der rasante Zwei-Personen-Schlagabtausch „Kleine Eheverbrechen“ vom französischen Erfolgsdramatiker Éric-Emmanuel Schmitt ist eine bittersüße, schwarze Komödie, Krimi, Ehedrama und beschwingter Flirt in einem. Regisseur Ulrich Lenk hat das kurzweilige und doch schwergewichtige Stück in der Alten Näherei des Stadtbads Steglitz mit großer Leichtigkeit und viel Tiefgang inszeniert.

Das Appartement von Gilles und Lisa lädt in blendendem, unschuldigem Weiß geradezu ein, die Geschichte des Ehepaars neu zu erfinden, neu zu schreiben. Doch trotz der geänderten äußeren Umstände sind die beiden in ihrem Inneren unverändert. Rasch stellt sich heraus, dass Krimiautor Gilles (Michael Hecht) kein treuer Traummann ist. Auch Lisa (Susanne Menner) ist bei Weitem keine perfekte Ehefrau.

Nichts ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Quasi minütlich nimmt das Stück eine neue Wendung, stellen sich Lisa und Gilles neuen, unbequemen Wahrheiten. Ein intensiv und hochklassig gespielter spannender Ehekrieg.

Stadtbad Steglitz Bergstraße 90, Steglitz, Tel. 54 77 31 18, Termine: 23.–25.5., 6.–8.6., 14. & 15.6., 20.–22.6., 27.–29.6., 20 Uhr, 18 Euro