Kleine Entdeckungen

Die Franziskaner-Kirche an der Stadtmauer

Frage: „Gehört das zur weltberühmten Berliner Mauer?“ Antwort: „Nein, das sind Reste der Stadtmauer aus dem Mittelalter.“

Das irritiert den interessierten Touristen, den es in die Klosterstraße in Mitte verschlagen hat. „Ja, war Berlin denn schon damals in Ost und West geteilt?“, fragt der Mann aus Japan. Wie gut, dass die düster und fast gespenstisch aufragenden Gemäuer der Ruine in nächster Nachbarschaft zur Erklärung beitragen und alles wieder etwas verständlicher machen.

Die im Zweiten Weltkrieg völlig ausgebrannte Franziskaner-Klosterkirche stammt, wie auch die alte Stadtmauer, aus dem 13. Jahrhundert. Schon 1250 im frühgotischen Stil für das Graue Kloster der Franziskaner begonnen, hat das Gotteshaus Veränderungen erfahren wie kaum ein anderes Berliner Gebäude. Mehrfach zerstört, wurde es wieder auf- und umgebaut. Zu Reformationszeiten als Kornlager und ärztliches Laboratorium zweckentfremdet, ab 1571 erster Druckereistandort Berlins, war der Backsteinbau ab 1574 das erste Domizil des „Berlinischen Gymnasiums zum Grauen Kloster“, um wenig später wieder für Gottesdienste zugänglich zu sein. Heute ist das Ensemble, gehegt von einem nun schon 20 Jahre agierenden Förderverein, im Sommer begehrte Kulisse für Kulturveranstaltungen.