Kino

Parcours der Peinlichkeiten

Komödie mit tiefen Wahrheiten über Mütter und Söhne: „Unterwegs mit Mum“

Schon bei der allerersten Begegnung am Flughafen beißt Andy die Zähne zusammen und schaut peinlich berührt zur Seite: „Andy! Oh, mein Baby!“ schmettert ihm seine überfürsorgliche Mutter quer durch den Strom der ankommenden Fluggäste entgegen und rückt ihm mit etwas Spucke die Haare zurecht, wie sie das sicher tausend peinliche Male in seiner Kindheit getan hat. Auch wenn Andy hier am liebsten im Boden versinken möchte (was Seth Rogen angenehm flüchtig anspielt, statt eine große Sache daraus zu machen), lässt er sich ein paar Stunden und Demütigungen später in einer Mischung aus Mitgefühl und Masochismus dazu hinreißen, sie auf seinen Arbeits-Trip von New York nach San Francisco einzuladen.

Im Gegensatz zum durchschnittlichen Road Movie, das sich unter hanebüchenen Vorwänden auf die Reise begibt (siehe „Voll abgezockt“), ist die Ausgangsprämisse hier durchaus plausibel. Da werden zwei Menschen auf die Reise geschickt, deren Leben gerade stagniert: Joyce Brewster, die seit einem Vierteljahrhundert Witwe ist und ihre ganzen emotionalen Energien an ihrem Sohn abarbeitet. Und Adam Brewster, der verzweifelt versucht, einen Großabnehmer für das von ihm entwickelte organische Reinigungsmittel zu finden, das er auf eigene Kosten produziert hat. Es gehört zur Mechanik des Road Movies, dass zwei, die sich anfangs im Weg stehen, sich im weiteren Reibungsverlauf zusammenraufen.

Doch der Clou an der Sache ist, dass Mutter und Sohn von Barbra Streisand und Seth Rogen gespielt werden, zwei Komikern, die über zwei Generationen hinweg auf ähnlich unverblümte Weise auch derbere Wahrheiten aussprechen. Die beiden in einem engen Auto westwärts fahren zu lassen, über einen Parcours der Peinlichkeiten durch Motels und Diners, einen Stripclub und ein Casino, ist eine ziemlich geniale Idee.

Schwer zu sagen, warum das immense Versprechen dieser Paarung dann doch nicht wirklich eingelöst wird. Liegt es am unentschlossenen Drehbuch von Dan Fogelmann, dem in seiner Vorlage zu der wunderbaren Familienkomödie „Crazy Stupid Love“ noch eine schlafwandlerische Balance von komischem Irrsinn und emotionaler Erdung glückte? Oder liegt es an der zu vorsichtigen Regie von Anne Fletcher, die in der Hochzeitskomödie „27 Dresses“ die seichteren Verwicklungen von Freundschaft und Liebe durchspielte?

Dennoch sorgt die entspannt frivole Chemie zwischen den beiden Stars dafür, dass man am Ende ungeheure Lust hat, mehr Zeit mit den beiden zu verbringen, in einem Film mit einem großen Herz und vielen kleinen Wahrheiten über das ebenso schwierige wie wunderbare Verhältnis zwischen emotional unausgelasteten Müttern und ihren spät erwachsenen Söhnen.

Dabei tritt Seth Rogen diskret zurück, um Barbra Streisand (kaum zu glauben, dass sie seit ihrem Schauspieldebüt „Funny Girl“ 1968 in gerade mal 20 Filmen aufgetreten ist!) die Bühne zu bereiten, die hier den jüdischen Mutterwitz aus den „Focker“-Komödien variiert, diese unwiderstehliche Art, vor keiner peinlichen Indiskretion zurückzuschrecken. In Interviews hat Seth Rogen bekundet, dass diese Mrs. Focker große Ähnlichkeiten mit seiner eigenen Hippie-Mutter habe.

Komödie: USA 2013, 96 min., von Anne Fletcher, mit Barbara Streisand, Seth Rogen

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