Drama

Frauen stehen doch auf sowas

Glatter geht’s nicht: An „Safe Haven – Wie ein Licht in der Nacht“ perlt sogar der Horror ab

Es ist schon schizophren, was „Safe Haven – Wie ein Licht in der Nacht“ gleich zu Beginn über das Publikum kippt: Wird das hier ein blutrünstiger Stalker-Thriller? Oder doch eher eine ultraschmalzige Liebesgeschichte mit Ken und Barbie in den Hauptrollen? Könnte zumindest spannend werden, und ein bisschen Schmalz ist ja auch nicht verkehrt.

Immerhin bewies Regisseur Lasse Hallström etwa in „Chocolat“, „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ oder zuletzt in „Lachsfischen im Jemen“, dass er das gut kann: großes Gefühl mit großen Schauspielern, das auch Bitterkeit und Salzigkeit braucht, aber nicht allzu schwer im Magen liegt.

Nun hat es der schwedische Regisseur nach „Das Leuchten der Stille“ zum zweiten Mal mit einer Verfilmung eines Romans des fleißigen amerikanischen Schriftstellers Nicholas Sparks versucht. Zu Beginn also ein klein wenig Bitterkeit als Aperitiv? Von wegen, hier wird gleich mal ordentlich auf die Tube gedrückt. In schmutziges, hektisches Horror-Braungrau getaucht, flieht die hübsche blonde Katie (Julianne Hough) vor irgendetwas oder -jemand. Hat sie selbst etwas verbrochen? Will sie jemand töten?

Nach einer kurzen Flucht per Bus beginnt scheinbar ein ganz anderer Film: Ein kleines Nest an der Küste North Carolinas, wie gemacht als Bildhintergrund für Katie. Sie lächelt ihr dunkles Geheimnis, das man ihr bei vergeblich näherem Hinsehen ohnehin nie so richtig glauben wird, einfach weg, und ein attraktiver brünetter junger Mann (Josh Duhamel) steht auch schon bereit. Es passt sofort einfach alles, um eine blitzsaubere, jugendfreie Romanze zu werden, wie mit dem Backförmchen ausgestanzt: Alex ist praktischerweise Witwer, hat den bestgebauten Körper des Ortes, außerdem zwei niedliche Kinder und geht sehr lieb mit ihnen um. Frauen stehen auf so was.

Außerdem positiv: keine Abgründe. Tiefe: schon. Denn er ist ab und zu nachdenklich. Seine Frau starb an Krebs, er hat sie sehr geliebt. Und so bleibt Katie trotz ihrer wohlanständigen Schüchternheit nicht lange Watie-Katie. Bald wird das neue Glück als gefährdet präsentiert, jedenfalls regnet es ab und zu. Und es kommt, wie es kommen muss, weil man den Klischees glauben muss, zur Not auch mit Gewalt.

David Lyons gibt den übereifrigen Cop auf Katies Fersen. Mit seinen aufgerissenen Kinski-Augen entpuppt er sich – Überraschung! – als alkoholabhängiger, eifersüchtiger Psychopath. Auch wenn er schließlich in Katies neue Welt eindringt, bleiben Idyll und Horror seltsam voneinander abgeschnitten. Katies Trauma wird zwar zu Tode erklärt, findet aber in Houghs flächiger Darstellung kein Echo. Als einziger Wesenskern bleibt tatsächlich bloß der titelgebende Wunsch nach Sicherheit. Wem das zu unspannend ist, den speist der Film dann sicherheitshalber noch mit einem dicken, ranzigen Sahnehäubchen aus der Eso-Ecke ab.

Drama: USA 2013, 115 min., von Lasse Hallström, mit Julianne Hough, Josh Duhamel, Cobie Smulders, Red West

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