Thriller

Er lässt es noch mal krachen

Sylvester Stallones erste Arbeit mit Regie-Legende Walter Hill: „Shootout“

Was für scharfe Schwarz-Weiß-Bilder, was für grelle Farben, was für ein künstlicher Stil! Bereits in seinen ersten Sekunden entfaltet „Shootout“, die erste Zusammenarbeit von Sylvester Stallone und dem guten alten Genre-Spezialisten Walter Hill, ihr komplettes ästhetisches Programm.

Es lässt an die neonlichtdurchfluteten B-Movies der achtziger Jahre denken, an Sylvester Stallones melancholischen Polizeithriller „Copland“ von 1997 und Robert Rodriguez‘ Frank-Miller-Adaption „Sin City“. Auch „Shootout“ liegt eine Graphic Novel zugrunde, vom französisch Comickünstler Matz. Tatsächlich lässt sich das Spezifische dieses Films am besten als „französisch angehaucht“ beschreiben. Nicht etwa, weil der Auftragskiller Jimmy Bobo, den Sly Stallone hier mit fast introvertierter Brummeligkeit zum Besten gibt, plötzlich eine Leidenschaft für Rotwein und Edith Piaf entdecken würde.

Auch nicht unbedingt, weil New Orleans, Jimmys Stadt, die er hier quasi nebenbei vor Immobilienheuschrecken und korrupten Lokalpolitikern zu retten versucht, einst von Franzosen gegründet wurde. Nein, „Shootout“ ist vor allem in dem Sinne französisch, dass er ein wenig übertrieben, theatralisch, konstruiert wirkt. Wie Luc Bessons „Taxi“-Reihe oder die verquere „Catwoman“-Verfilmung des französischen Effektkünstlers Pitof.

Wenn hier Jimmy Bobo mit dem jungen, geradezu naiv rechtschaffenden Polizisten Taylor (Sung Kang) durch die Stadt fährt und beide sich zum dritten Mal gegenseitig die Knarre an den Kopf halten, weil sie ach so unterschiedlich sind, wenn sie damit ringen, ihrer jeweiligen Berufsehre gerecht zu werden, dann ist das so ein bizarrer französischer Moment. Es geht hier nicht darum, sie realistisch zu erzählen, diese Geschichte einer Schicksalsgemeinschaft vom Cop und Kriminellen, die durch Zufall den selben Mörder jagen.

Auch wenn sie wider Willen Sympathien füreinander entwickeln, auch wenn der angeschossene Taylor in Jimmy seinen potentiellen Schwiegervater erkennt, weil er von dessen Tochter Lisa (Sarah Shahi) auf derem Tätowierstuhl geflickt wird, erst recht wenn Jimmy irgendwann einem ehemaligen Fremdenlegionär im Duell mit hundert Jahre alten Feuerwehräxten gegenübersteht – es geht hier nicht um Glaubwürdigkeit oder Logik. Es geht immer darum, dass die nächste, möglichst dramatische Zuspitzung kommt, bevor dem Publikum das Popcorn ausgeht. Es geht um die nächste Explosion, um den nächsten billigen Witz, den nächsten lakonischen Spruch. Und all das gelingt Walter Hill so gut, wie man es sich von einem kleinen, dreckigen Film nur wünschen kann, den man vor zwanzig Jahren wohl sehr ähnlich aus dem VHS-Wühlkorb einer Kaufhauskette hätte ziehen können.

Schön auch, wie in einer Sequenz sämtliche Polizeifotos von Jimmy Bobo chronologisch aneinandergereiht werden. Sie wird auch zu einem Rückblick auf Stallones Karriere, in der die Haare mal lang. mal kürzer waren und die zunehmenden Falten zwischendurch dem Botox wichen. Mit anderen Worten: „Shootout – Keine Gnade“ ist der richtige Film für jene Stallone-Fans, denen die „Expendables“ letztlich doch eine Spur zu selbstgefällig daherkommen.

Thriller: USA 2012, 96 min., von Walter Hill, mit Sylvester Stallone, Christian Slater, Sung Kang

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