Komödie

Wer traut sich, Papa umzunieten

„Leg ihn um“ will eine schwarze Komödie sein. Man windet sich vor Scham im Sessel

Es gibt eine Voraussetzung, unter der man diesen Film empfehlen kann: Wenn man ihn als Warnschuss begreift. Als Versuch, darauf aufmerksam zu machen, was uns Kinozuschauern droht, wenn Filme nichts mehr kosten dürfen. Denn „billig gemacht“ – dieser Ausdruck bekommt im Bezug auf den neuen Film des Schauspielers und Regisseurs Jan Georg Schütte eine neue Wucht. Das fängt mit dem Drehbuch an, an dem ganz offenbar als erstes gespart wurde. Stattdessen gibt es eine Handlungsidee oder besser die Vorstufe davon.

Dieser Schimmer einer Ausgangsidee lautet, dass ein reicher alter Patriarch (seine zur Marke gewordene bedrohliche Aura einsetzend: Hans-Michael Rehberg), der nicht mehr lang zu leben hat, dreien seiner vier erwachsenen Kinder verkünden lässt, dass er den zum Alleinerben einsetzt, dem es gelingt, ihn umzubringen. Zwar traut er keinem unter ihnen den erfolgreichen Absch(l)uss zu – die jüngste Tochter (Pheline Roggan), offenbar das Lieblingskind, bleibt zunächst außen vor –, aber immerhin schmieden sie alle einen Plan: der windige Geschäftemacher Hugo (Stephan Schad), der schwule Dauerzögerer Karl (Oliver Sauer) und die undurchsichtige Silvia (Susanne Wolf).

Optimistische Gemüter könnten versucht sein, hier eine schwarze Komödie zu erwarten, in der respektlos mit unser allen Ängsten vor dem Tod, dem Ungeliebtsein und der Brüchigkeit der Zivilisation gespielt wird. Aber dafür bräuchte es ein Vielfaches von dem, was Schütte und seine Mannschaft einzusetzen bereit sind – und das nicht nur in finanzieller Hinsicht. So sind es nicht allein die flache Digitalfilmerei, die holprigen, angeblich improvisierten Dialoge oder der zusammengestoppelte Schnitt, die „Leg‘ ihn um“ zu einem durch und durch unerfreulichen Kinoerlebnis machen. Es ist vor allem die Armut an Gedanken und der eklatante Mangel an Selbstreflexion, die hier dafür sorgen, dass man sich als Zuschauer vor Scham im Sessel windet.

Komödie: D 2012, 105 min., von Jan Georg Schütte, mit Hans-Michael Rehberg, Pheline Roggan

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