Tragikomödie

Die neue Flamme ist auch keine Lösung

So leicht wird man sein altes Ich nicht los: „Take This Waltz“ ist ein ziemlich moderner Beziehungsfilm

Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben, sang Jürgen Marcus vor vielen Jahren. Dieses Glücksversprechen erhofft sich auch Margot (Michelle Williams), als sie im Flugzeug anfängt, mit Daniel (Luke Kirby) zu flirten. Dabei ist die Nachwuchsautorin seit fünf Jahren eigentlich glücklich mit Lou (Seth Rogen), ihrem kumpelig-knuffigen Ehemann. Aber inzwischen hat sich eben ein wenig Routine eingeschlichen. Sie beginnt sich mit Daniel zu treffen, dem ebenso charmanten Lebenskünstler, der wie zufällig in Margots überhipper Nachbarschaft in Toronto wohnt. Über den Sommer treffen sie sich immer wieder mehr oder weniger heimlich, ohne miteinander zu schlafen. Ist das schon Fremdgehen? Es entwickelt sich eine sexuelle Spannung zwischen den beiden, sie ist hin und her gerissen. Doch erst als ihr Daniel offenbart, dass er diesen Schwebezustand nicht mehr aushält, entscheidet sie sich ganz für ihn. Und damit gegen Lou. Doch wirklich glücklich macht sie das dann auch nicht.

Was passiert, wenn die vertraute Wärme einer Beziehung plötzlich gefährdet ist, weil das frisch Verknalltsein so viel aufregender ist? Und wenn man am Ende doch feststellt, dass die Leere, die man in sich spürt, auch durch den Tausch des Partners nicht weggeht? Eine neue Liebe ist eben nicht einfach ein neues Leben, denn das eigene verkorkste Ich wird man nicht los. Davon erzählt der zweite Spielfilm der kanadischen Schauspielerin und Regisseurin Sarah Polley.

Es ist allerdings nicht ganz nachzuvollziehen, was die 34-jährige dazu gebracht hat, nach ihrem tiefgründigen Regiedebüt „An ihrer Seite“ mit Julie Christie über die letzten Monate einer Alzheimerkranken nun einen derart fluffigen Liebesfilm zu drehen. Das ist zwar alles mit leichter Ironie erzählt und mit den richtigen Leuten besetzt, vor allem Michelle Williams gelingt es, diese neurotische Margot zwischen Selbstzweifeln und Naivität nicht völlig unsympathisch wirken zu lassen. Auch Seth Rogen, bislang meist auf die Ekelkomödien von Judd Apatow abonniert, spielt den lange nichts ahnenden Ehemann angenehm zurückgenommen. Und tatsächlich gelingt „Take This Waltz“ so ein ambivalenteres, womöglich moderneres Bild von heutigen Paarbeziehungen als in gängigen Genreproduktionen. Aber es bleibt doch eine melancholisch-süßliche Mädchenfantasie mit bisweilen aufgesetzt wirkenden Dialogen.

Tragikomödie: Kanada/E/J 2013, 116 min., von Sarah Polley, mit Michelle Williams, Seth Rogen

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