Bühnencheck

Kerngesunde Patienten

Im vornehmen Sanatorium Lindenruh des Stücks „Wolf im Korb“ leiden die Patienten von Dr. Baier an exquisiten Krankheiten wie der imaginären Krätze oder der eingebildeten Schwerhörigkeit. Die hohe Kunst besteht für den Arzt darin, den Patienten beizubringen, dass ihnen nichts fehlt. Besessenheiten sind dofür Baier lediglich eine Frage der Interpretation.

Psycho-Ticks vor der Kulisse eines Sanatoriums, das so weltentrückt ist wie Thomas Manns „Zauberberg“: Die so groteske wie geistreiche Komödie „Wolf im Korb“ schrieb der französische Dramatiker Roger Vitrac (1899 - 1952). Er debütierte 1923 als Autor in der Pariser Surrealistengruppe, gründete mit Antonin Artaud 1927 das legendäre „Théâtre Alfred Jarry“ und gilt als Wegbereiter des Absurden Theaters. Dem Theaterforum Kreuzberg und Regisseurin Anemone Poland ist nun die deutsche Erstaufführung seines 1934 geschriebenen und 1940 in Paris uraufgeführten Stücks zu verdanken. Eine echte Entdeckung.

Mit viel Wortwitz gespickt, zeigt die Inszenierung wie einfach es ist, Menschen zu manipulieren. Der gute Doktor Baier, wunderbar selbstherrlich gespielt von Simon Mayer, lädt ein zum „Ball der Heilung“. Seine psychisch in Schräglage geratenen Patienten sollen sich beim Fest einfach mal vorstellen, sie seien gesund. Ein scharfsinniger Bühnenspaß mit hinreißenden Kostümen und einem formidablen Ensemble.

Theaterforum Kreuzberg Eisenbahnstr. 21, Kreuzberg, Tel. 70 07 17 10, Vorstellungen bis 24.3., Fr./Sbd. je 20 Uhr. Tickets 16, ermäßigt 9 Euro