Arnos Woche

Ausmisten

Arno Müller über den Spaß am Verkauf unnützer Dinge

Ab und zu zappe ich nachts, bevor ich zu Bett gehe, durch die TV-Kanäle und bleibe beim „Trödeltrupp“ hängen. In der Sendung wird gezeigt, wie sich Menschen, die nichts wegwerfen können, ihren Lebensraum mit überflüssigem Kram zustellen und zerstören. Die Experten der Sendung suchen in dem Trödel die wertvollsten Gegenstände heraus und verkaufen sie zu oft überraschenden Preisen.

Davon angeregt habe ich die vergangenen dunklen Tage genutzt, mein privates Umfeld etwas aufzuhellen und Platz zu schaffen. Ich fing im Keller an und hörte im Schlafzimmer auf, mein ganzes Haus nach überflüssigen, nicht mehr genutzten Dingen zu durchsuchen. Zugegeben, es gehört ein wenig Überwindung dazu, denn in Wirklichkeit bin ich auch ein kleiner Messie, der sich nicht gerne von Dingen trennt. Deshalb brauchte ich eine Regel und einen Verwendungszweck. Die Regel: Alles, was ein Jahr lang nicht benutzt oder getragen wurde muss weg. Der Verwendungszweck: Versteigern bei Ebay, dann gibt es vielleicht ein bisschen Geld dafür und jemand anderes hat Freude daran.

Angefangen habe ich mit den übervollen Kleiderschränken und den im Keller verstauten Kleidersäcken, in denen all die Kleidungsstücke gelagert werden, die ja mal teuer waren, aber jetzt nicht mehr passen oder aus der Mode gekommen sind.

Unglaublich, was da alles zum Vorschein trat. Durchaus auch Kleidungsstücke, bei denen ich mich fragen musste, was mich mal geritten hat, das zu kaufen geschweige denn anzuziehen. Krassestes Beispiel: ein schwarzer Boss-Lederanzug mit Hose und Sakko. Ja – das dachte ich auch – schrecklich! Hat aber bei Ebay einen neuen Besitzer für überraschende 200 Euro gefunden.

Der alte, kaum benutze Röhrenfernseher mit eingebautem Multinormvideorekorder. Für zehn Euro versteigert. Es kam ein junger Vater mit seiner überglücklichen Tochter vorbei, um ihn abzuholen. Die Kleine war so glücklich, endlich einen eigenen Fernseher zu bekommen, mit dem sie die alten Walt-Disney-VHS-Filme ansehen kann. Ich hätte den beiden den Fernseher auch geschenkt, so viel Spaß hatte ich an ihrer Freude.

Nach diesem positiven Erlebnis fingen sogar meine Frau und mein Sohn an mitzumachen. Der wiederum hat noch so seine Schwierigkeiten, sich zu trennen. Er versteigerte einen original verpackten Kühlschrankmagneten aus dem letzten Thailand-Urlaub. Die Euphorie legte sich aber schnell, als er nur einen Euro dafür erzielte. Ich habe den Eindruck, dass er den Sinn der Aktion nicht so ganz verstanden hat.