Horror

Ich liebe einen Zombie

So schön sind Romeo und Julia noch nie verhackstückt worden: „Warm Bodies“

Um einen Zombiefilm, erzählt mit den Mitteln der Romantischen Komödie (RomCom), um eine Lovestory mit adoleszenten Grunzlauten. Bloß dass statt klebrigem American Pie erst einmal viel graue Masse herumspritzt. Am Anfang war das Hirn, und siehe, es kam das Herz. Gegessen ward aber nur Ersteres.

Die Liebenden in Jonathan Levines Film entstammen, wie Romeo und Julia, verfeindeten Lagern. R, so heißt Romeos Wiedergänger, ist ein noch recht appetitlicher Zombie (herzergreifend: Nicholas Hoult), Julie dagegen, blond und tough (Teresa Palmer), ist die Tochter eines sicherheitsfanatischen Generals (John Malkovich), der aus der dick ummauerten Menschen-Kolonie heraus alle Zombies auslöschen will. Doch ist in dieser postapokalyptischen Welt Shakespeares tragische Reihenfolge verkehrt: Diese Geschichte, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Isaac Marion, beginnt mit dem Tod und endet mit dem Leben.

Ort des Geschehens ist ein Flughafen, von dem aus nie mehr ein Flugzeug abheben wird. Rs Zombie-Clique überfällt dort einen Trupp menschlicher Teenager, und R verschlingt das Hirn eines jungen Mannes (gespielt von James Francos jüngerem Bruder Dave), nicht ohne als Ich-Erzähler darauf hinzuweisen, dass er das auch nicht schön finde, aber sorry, „das Hirn ist einfach das beste Teil“. Und weil R mit dem Hirn auch die Gefühle des Getöteten aufnimmt, verliebt er sich auf der Stelle in Julie, die Freundin des Verspeisten. R bewahrt das Mädchen vor den Kollegen und nimmt sie mit auf seine Bude, eine vor sich hin rostende Boeing 747.

In diesem Transitraum setzt die Verwandlung ein. R kann immer besser sprechen, Julie kann ihn immer besser verstehen. Gefahr droht von den anderen Zombies, vor allem aber von den „Boneys“, Monster-Skeletten, die sich bald als wahre Feinde von Mensch und Zombie herausstellen. R ist in dieser Sozio-Lovestory der Avantgardist – und wird als solcher durchweg als Kulturmensch inszeniert.

Die Geschlechterrollen in diesem Labor auf Zeit sind entspannt visionär: Die Frau bringt ihrem Freund Autofahren bei, kann schießen – und darf sich trotzdem retten lassen. Der Mann wiederum darf stammeln und seltsam sein. Und womöglich werden die beiden sowohl seine Zombie-Kumpels als auch die sicherheitsfanatischen Menschen anstecken mit dieser neuen, alten Kultur der Empathie.

Der Zombiezustand als Metapher nicht nur für die Pubertät, auch für eine empathieverarmte Grundhaltung, die angesichts einer endlos verlängerten Jugendlichkeit nicht bloß Attribut einer bestimmten Generation ist. Dabei macht „Warm Bodies“ viel mehr Spaß als die Debatte um Schirrmachers „Ego“.

Horrorromanze: USA 2013, 98 Min., von Jonathan Levine, mit Nicholas Hoult, Teresa Palmer, John Malkovich, James Franco

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