Kino

Thriller von der Stange

Auch Lasse Hallström setzt jetzt auf Schweden-Krimis: „Der Hypnotiseur“

Und somit in der medialen Verwertungskette schon zahllose Fernsehserien und TV-Filme nach sich gezogen hat: Von Kommissarin Lund bis Kommissar Beck, von diversen Wallanders bis zum Mädchen mit den Drachen-Tattoos reicht die Bandbreite der Serien und Filme, die oft von erstaunlicher filmischer Qualität sind. Da hat es das Kino schwer, wie David Finchers Hollywood-Version von Stieg Larssons Bestseller „Verblendung“ zeigte, die zwar viel teurer war als das schwedische Original, aber nicht viel besser.

Wenn nun mit „Der Hypnotiseur“ der erste Teil von Lars Keplers Stockholm-Krimireihe fürs Kino verfilmt wird, zeigt sich noch viel deutlicher, wie gut Teile des Fernsehens inzwischen geworden sind und wie wenig zumindest Teile des Kinos dem entgegenzusetzen haben. Inhaltlich ohnehin nichts, aber auch stilistisch nur sehr bedingt.

Am Anfang steht ein Mord: Ein Sportlehrer wird brutal in einer Turnhalle ermordet. Noch bevor Joona Linna (Tobias Zilliacus) – Mitglied der Stockholmer Kriminalpolizei – entschieden hat, ob er den Fall übernehmen will, wird er zu einem weiteren Tatort gerufen: Im Haus des Lehrers finden sich weitere Opfer. Frau, Tochter und Sohn des Lehrers wurden ebenfalls abgestochen. Nur der Sohn Josef (Jonatan Bökman) hat schwer verletzt überlebt und liegt im Krankenhaus, fällt aber als Zeuge aus.

Die Zeit eilt und so greift Linna auf eine ungewohnte Methode zurück: Er zieht den Hypnotiseur Erik Maria Bark (Mikael Persbrandt) hinzu, der selbst im Koma liegenden Patienten Geheimnisse entlocken kann. Doch die Hypnose bleibt für Bark nicht ohne Folgen: Verbraucht sein Gesicht, müde die Augen, seine Ehe vor dem Scheitern. Vor Jahren hatte Bark eine Affäre, die ihm seine Frau Simone immer noch vorhält, zudem zweifelt er an seinen Fähigkeiten als Hypnotiseur, seit ihm vorgeworfen würde, ein Subjekt mir suggestiven Fragen zu einer Falschaussage getrieben zu haben.

Dennoch versucht er selbst dann noch, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, als sein Sohn Benjamin (Oscar Pettersson) von einer geheimnisvollen Gestalt mit schwarzer Kapuze entführt wird. Zusammen mit Linna setzt er alles daran, den Fall zu lösen. Denn eins scheint klar zu sein: Finden sie den Mörder, finden sie auch den Entführer von Barks Sohn.

Spannende Ansätze, die von Hollywood-Routinier Lasse Hallström (der nach Jahren wieder in seiner schwedischen Heimat arbeitet) meist links liegen gelassen werden. Einen Krimi von der Stange inszeniert er, der nur selten die Möglichkeiten des Kinos nutzt. Stockholm bleibt als Schauplatz indifferent, mehr als ein paar Flugaufnahmen sind nicht zu sehen. Vor allem im ausgedehnten Finale, in dem die Enge der Stadt den schneebedeckten Weiten der Natur weicht, gelingt Hallström wirkliches Kino. Was noch nicht heißen soll, dass „Der Hypnotiseur“ ein schlechter Krimi ist, beileibe nicht. Nur ist der Unterschied zwischen diesem Kino-Film und einem TV-Film, der Sonntagabend, nach dem im ZDF, läuft dann doch etwas gering.

Thriller: Schweden 2013, 122 min., von Lasse Hallström, mit Mikael Persbrandt, Lena Olin, Tobias Zilliacus, Eva Mellander

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