Drama

Weg von der Straße, rein in die Berge

Sennerleben und Schafeblöken zur Umerziehung von Problemjugendlichen: „Puppe“

Da sind sie also, die majestätischen Aufnahmen hochaufragender Felsen, immer wenn die Sturheit menschlichen Willens illustriert werden soll. Oder der Einsatz der Gefahren der Bergwelt von Gewitter bis zur Gletscherspalte, wenn es darum geht, Figuren zusammenzubringen oder verschwinden zu lassen. Oder der weise, aber zurückhaltende Schäfer mit seiner Herde, deren Abtrieb für alle eine momenthafte Bergidylle zaubert, von Blöken und Folkloremusik untermalt. Alles dabei.

Im Mittelpunkt des Dramas steht die 16-jährige Anna (Anke Retzlaff), die im Bergerziehungsprojekt von Geena (Corinna Harfouch) aufgenommen wird. „Ich möchte nicht, dass ihr auf der Straße bleibt, ich möchte nicht, dass ihr in den Knast kommt“, fasst Geena das Projektziel für ihre Gruppe schwieriger Mädchen zusammen. Deren durchweg trotzige Mienen lassen ahnen, dass hier noch Überzeugungsarbeit geleistet werden muss. Zwischen Schafehüten und anderen Sennertätigkeiten bleibt ihnen viel Zeit für allerlei Intrigen wie Fluchtpläne zu schmieden, sich in Liebeserklärungen zu ergehen oder einander zu bedrohen.

Eingestreut gibt es Erinnerungsfetzen aus Annes schrecklicher Vergangenheit auf den unbehausten Straßen Duisburgs. Eine Verwicklung in Drogen- und Mädchenhandel und gar einem Mord wird angedeutet, aber nicht ganz geklärt. Man begreift als Zuschauer, dass der Film von Traumata erzählen will und den Schwierigkeiten, sie zu überwinden. Und wer weiß, wenn er weniger blökende Schafe, donnernde Gewitter und Felsspalten einsetzen würde, wäre ihm das vielleicht auch gelungen.

Drama: D/CH 2013, 89 min., von Sebastian Kutzli, mit Sara Faazilat, Corinna Harfouch

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