Doku

Ein US-Star im Reich der Mullahs

Es ist „nur“ eine Sport-Doku. Aber in „Iran Job“ erfährt man mehr über das Land als in vielen anderen Filmen

Wir sehen das Land durch die Augen eines US-Basketballspielers. Kevin Sheppard ist ein Profi. Ende 2008 unterschreibt er beim iranischen Verein B.A. Shiraz BC. Die Filmemacher Till Schauder und Sara Nodjoumi haben ihn eine Saison lang mit der Kamera begleitet.

Seine Persönlichkeit – seine gute Offenheit und Menschlichkeit lassen den Film leuchten. Schon die ersten Szenen sagen mehr aus über den Iran als ganze Leitartikel. In der Wohnung, die Sheppard mit einem serbischen Spieler teilt, gibt es keinen Internet-Anschluss, dafür „600 Fernsehkanäle, davon 400 mit Pornofilmen.“

Den vor sich hin dümpelnden Basketballverein hat ein Geschäftsmann gekauft, der ihn zu den acht besten Teams führen will. Das Problem ist, dass die Spieler nicht daran glauben. Sheppard ist so frustriert, dass er bei einem Spiel ausrastet und gegen eine Mülltonne tritt. Was im Westen eine lustige Episode wäre, ist im Iran ein Skandal. Sheppard wird gerügt. Der Amerikaner reißt sich zusammen und führt tatsächlich die Mannschaft in die Spitzengruppe. Dort werden sie von einem Teheraner Team herausgeworfen – dies ist ein Dokumentarfilm, keine Schmonzette.

Wie es so ist, lernt der Sportler bald einige Frauen kennen. Es sind gebildete, selbstbewusste und schöne Frauen, die sich trauen, ihn in seinem Quartier zu besuchen, wo sie das Kopftuch ablegen und über ihre Wünsche nach einem freieren Leben reden. Eine ist Ärztin, eine andere studiert, die dritte träumt davon, Filmstar zu werden. Gleichzeitig sind es kichernde Groupies. Sexuelle Anziehung ist da. Sex gibt es nicht. Das liegt auch an Sheppard, der seiner Verlobten zuhause treu ist. Am Ende des Films wird er ihr einen Heiratsantrag machen. „Weil ich durch die Gespräche mit den Mädchen hier im Iran besser begriffen habe, was meine Freundin umtreibt.“ Was so manchem intellektuellen Brüderle-Verteidiger hierzulande nicht in den Kopf geht, nämlich dass der Sexismus in der islamischen Welt verwandt ist mit dem Sexismus hierzulande, das begreift dieser Sportler sehr schnell.

Als Sheppards erste Saison zu Ende geht, beginnen die revolutionären Unruhen im Iran. Frauen werden darin eine führende Rolle spielen. Das Regime wirft sie brutal nieder.

Dokumentation: USA/ D 2013, 91 min., von Till Schauder und Sara Nodjoumi

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