Bühnencheck

Mozart ist an allem schuld

Den Namen MozArt Group hat sich das unkonventionelle Warschauer Streichquartett gegeben, weil Mozart die Passion der vier befrackten Herren ist und bei ihnen eigentlich immer alles mit der berühmten „Kleinen Nachtmusik" anfängt.

In Polen sind sie längst Stars und haben eine eigene Fernsehshow. Auch in den USA und im fernen Osten liegen ihnen die Fans bereits zu Füßen. Diesen Kultstatus dürften sie sich aber auch hierzulande bald erfiedelt haben, denn ihr Musik-Kabarett ist so einfalls- wie erfindungsreich. Ein großer Spaß, nicht nur für Klassikfans.

Natürlich beherrschen die Musiker ihre Instrumente perfekt, wie sie in ihrer Show „Die vier Saiten der Welt“ im Tipi am Kanzleramt beweisen. Bekannte Melodien allerdings enden bei ihnen meistens anders als sie begonnen haben. Filip Jaślar, der die 1. Geige spielt, verrät, dass ihm Mozart höchstselbst dazu manchmal vor dem Einschlafen eine Idee schickt. Die MozArt Group zerpflückt aber nicht nur Stücke, sondern verwandelt auch die Instrumente in neue Klangkörper. So gibt Boleslaw Blaszczyk offen zu, dass er mit pflichtbewusster Überei nicht gerade viel am Hut hat. Dafür ist er ein Meister darin, seinem Cello ungewöhnliche Töne zu entlocken, wie das Quaken einer Ente. Pawel Kowaluk indes legt seine Viola kurzerhand zur Seite, um zwei Bögen als Drumsticks zu zweckentfremden. Michal Sikorski, die 2. Geige, greift hingegen gern schon mal auf seiner Violine daneben, immer virtuos, selbstredend. Sie grooven sich umwerfend komisch durch ein gewaltiges Repertoire von Klassik über Pop, Rock, Jazz bis zu Klezmer und Flamenco. Ein hochmusikalisches Gagfeuerwerk.

Tipi am Kanzleramt Große Querallee, Tiergarten, Tel. 39 06 65 50, bis 3.3., außer 25. und 27.2., Di.–Sbd. 20 Uhr, So. 19 Uhr. Karten 20,80 bis 34,50 Euro