Ausflugstipp

Ein Spaziergang durch die Villenkolonie Lichterfelde-West

Die Villenkolonie Lichterfelde-West mit ihren zahlreichen Häusern unterschiedlichster Baustile, Kopfsteinpflaster-Alleen, kleineren Plätzen und großen Gärten bietet sich geradezu an für einen Sonntagsspaziergang.

Gerade im Winter, wenn das Blattwerk hoher Kastanien nicht den Blick auf die Bauten versperrt.

Start ist am S-Bahnhof Lichterfelde-West *. Hierher gelangt man mit der S1 in nur 20 Minuten vom Potsdamer Platz. Eine Tatsache, die Koloniegründer Johann Anton Wilhelm von Carstenn schon vor 140 Jahren durchaus beabsichtigt hatte, als die Endpunkte der Bahnstrecke noch Berlin-Magdeburg geheißen haben. Erhoffte sich von Carstenn doch von einer schnellen Anbindung an das Stadtzentrum eine höhere Attraktivität seines Villenvorortes Lichterfelde.

Schon das im Stil eines toskanischen Landhauses in den 1870er-Jahren errichtete Bahnhofsgebäude mit Turm und Rundbögen ist sehenswert. Spazieren wir durch das heutige Einkaufszentrum von Lichterfelde-West mit seinen neuen Geschäften und traditionsreichen Familienbetrieben. Wir passieren an der Curtiusstraße das historische Paul-Emisch-Haus, ein mit Fachwerk, Türmchen und bunt bemalter Fassade von Architekt Wilhelm Sander 1892 errichtetes Gebäude, das nach dem Kaufmann und Tuchfabrikantensohn Paul Emisch (1873-1956) benannt wurde.

Auf dem Weg zum Karlsplatz durch die kopfsteinbepflasterte Baseler Straße zeugen links und rechts des Wegs zahlreiche, typische Lichterfelder Villen mit hochaufragenden Spitzgiebeln oder Türmchen von den Repräsentationsansprüchen des Bürgertums seinerzeit. Am Karlsplatz lädt das kürzlich eröffnete Restaurant "Karl" zwischen 10 und 15 Uhr zum Sonntagsbrunch. Wir überqueren die Ringstraße und wandern den Kadettenweg entlang zum Gedenkstein für das Preußische Kadettencorps * an der Ecke Paulinenstraße. Es erinnert an die frühere Kadettenanstalt an der heutigen Finckensteinallee. Weiter geht es die Paulinenstraße entlang, rechts in den Weddigenweg und über die Baseler Straße. Wir biegen rechts in die Kommandantenstraße ein und spazieren Richtung Norden. Auf dem Johannes-Kirch-Platz steht die imposante evangelische Johanneskirche *, ein runder Bau mit Kuppeldach und Laterne aus dem Jahre 1914. Wir folgen der Kommandantenstraße weiter Richtung Norden, vorbei am historischen Rother-Stift an der Friedrichstraße, das über 100 Jahre ein "Versorgungsinstitut für ältere, unverheiratete Töchter verstorbener Staatsdiener" war. Weiter die Kommandantenstraße entlang, bis diese wieder auf den Kadettenweg trifft. Nur noch wenige Meter, bis wir rechts in die Curtiusstraße einbiegen und - das Emisch-Haus wieder im Blick - zurück am S-Bahnhof Lichterfelde-West angelangt sind.