Ausflugstipp

Vom Klausenerplatz zum Lietzensee

Rund um Klausenerplatz, Nehring- und Seelingstraße hat sich seit den umfangreichen Sanierungsarbeiten in den 70er- und 80er-Jahren ein Gemisch aus Familien, Migranten, Alten und Jungen, Mittelstand und sozial Schwachen gebildet, das bis heute überdauern konnte.

Das Gebiet war schon vor dem Krieg ein "rotes", ein querulantisches Viertel, daran hat sich wenig geändert. Die Kämpfe und Erfolge gegen Abriss und Luxussanierung der Altbauten haben ein besonderes Milieu geschaffen, nun will man auch dem akuten Gentrifizierungsdruck widerstehen.

Noch heute ist hier in ungemein charmanter Umgebung preiswertes Wohnen möglich. Hier und da haben bereits Läden aufgemacht, die recht schick aussehen, doch hat man nicht den Eindruck, dass die Straßenzüge umgekippt seien. Es gibt hier noch Reklameschilder, auf denen "Fachgeschäft für Gesundheit, Schönheit, Freizeit" steht, das große Pils kostet 2,50 Euro und auf der Straße grüßen sich die Menschen. Wie lange das so bleibt, ist ungewiss, genießen Sie also den Gang durch eine sozial intakte, beinahe heimelig wirkende Nachbarschaft - nur sagen Sie es nicht weiter!

Wir machen einen Abstecher zur Villa Oppenheim *, wo Schätze von Walter Leistikow, Franz Skarbina und Max Liebermann auf uns warten. Wieder auf der Schloßstraße, schreiten wir Berliner Baugeschichte im Sauseschritt ab. Die klassizistischen Häuser mit den Straßennummern 18/18a und 67 zeugen von jener alten Herrlichkeit, die sich im 19. Jahrhundert im Schatten des Schlosses entwickelte. Die Sporthalle * des Berliner Altmeisters Hinrich Baller setzt dazu einen architektonischen Kontrapunkt. Hier ging es früher wie heute erheblich bürgerlicher zu als rund um den Klausenerplatz. Man spürt diesen Unterschied. Das eben ist Stadt!

Jetzt noch durch die Suarezstraße mit ihren vielen Antiquitätenläden. Sie haben schon alles? Am Ende der Straße werden Sie sicher sein, dass es Ihnen doch noch an dem einen oder anderen edlen Stück mangelt. Kurz vor dem Lietzensee steht in seiner einschüchternden Pracht das Gebäude *, in dem zwischen 1936 und 1943 das Reichskriegsministerium seine grausamen Urteile sprach, vor allem gegen Kriegsdienstverweigerer.

Jetzt haben wir uns Stärkung und Entspannung verdient: im Bootshaus "Stella" (Dezember und Januar geschlossen) genießen wir den Ausblick aufs Wasser. Wie schön, dass es so endet.