Berliner Perlen

Glück, das man kaufen kann

Handverlesene Geheimtipps: Im bunten "Happy Shop" bietet Designerin Mischa Woeste in Mitte Kreationen von jungen, aufstrebenden Designern aus aller Welt an

Seit Januar 2011 steht auf der Torstraße ein schwarz-weiß gestreifter Flachbau mit einer pinkfarbenen Tür. Wer hinein will, muss klopfen. "Man soll hier ein wenig abgeschottet sein", sagt Mischa Woeste, Inhaberin des Happy Shops. "Wir machen ganz intensive Kundenberatung, gerne auch mehrere Stunden, da soll sich der Kunde geschützt fühlen."

Philosoph Erich Fromm stellte einst fest, dass Glück nicht käuflich ist. Die 32-jährige Modedesignerin aus Charlottenburg würde ihm widersprechen: "Alles was wir verkaufen, macht glücklich. Kunden kommen mit Liebeskummer hinein und gehen happy hinaus", sagt sie über ihren Laden, in dem farbenfrohe Kleider, Jacken und Taschen von großen, bunten Knöpfen an der Wand hängen.

"Wir haben viele Einzelstücke. Sachen die man sich gönnt", sagt die Designerin, die an diesem Tag einen Tütü-artigen Rock trägt. "Sachen, die einen ein ganzes Leben lang begleiten." Ihren Hals ziert eine zarte Kette mit dem kleinen Schriftzug "Glücklich".

Einrichtung mit Motor

Nach dem Modedesign-Studium an der Berliner Esmod gründete Mischa Woeste 2010 zunächst ein Label: "Mit 'Smeilinener' habe ich Schauen gemacht und auf Messen verkauft. Aber der direkte Kontakt zum Kunden funktioniert gerade bei hochpreisigen Sachen immer am besten." Der Wunsch nach einem eigenen Geschäft wuchs zum Beschluss. Das Architektur-Büro ihres Mannes entwarf den Flachbau und errichtete ihn innerhalb von fünf Monaten in einer Baulücke der hippen Torstraße in Mitte. Dort hängen Mischa Woestes Designs nun neben den Werken japanischer, amerikanischer und dänischer Designer von bunten Knöpfen und an Traversensystemen.

"Innerhalb weniger Minuten kann ich die Ladeneinrichtung über die motorbetriebenen Traversen unter die Decke ziehen", sagt die Designerin. Dann ist Platz im Happy Shop. Platz für Veranstaltungen. "Es gab Kunst-Installationen, Tanz und Musik. Die Verkaufsfläche lässt sich in eine einzige Bühne verwandeln." Auch ein Garten gehört zum Happy Shop. "Jedes Mal, wenn eine neue Saison beginnt, laden wir einen engen Kundenkreis zu einer Präsentation ein. Wenn die vorbei ist, kommt das neue Sortiment über die Traversen nach unten, dann kann gleich alles gekauft werden", sagt die Designerin, deren aktuelle Kollektion von großflächigen Fotografien geziert wird.

Ein knöchellanger Rock etwa zeigt eine junge Frau mit offenem Mund. Auf einer bedruckten Tunika ist sie mit kräftigem Make-up zu sehen: "Die Fotografin der verwendeten Bilder ist Hanayo. Sie pendelt zwischen Tokio und Berlin. Das Mädchen ist Tenko, ihre Tochter. Das Make-up in Tenkos Gesicht ist mit Stickereien betont: "Alles Berliner Handarbeit", sagt Woeste.

Für den Happy Shop spürt die Designerin mit ihrem Creative Director Marck Windekilde junge Labels auf, die in Berlin bislang nicht oder kaum erhältlich sind. "Völlig unabsichtlich hat sich dabei eine große Nähe zu japanischen Designern entwickelt", sagt Woeste. "Miharayasuhiro zum Beispiel begann als Schuhdesigner. Seit drei Jahren hat er nun eine Kooperation mit der deutschen Marke Puma." Woeste zeigt Turnschuhe mit Keilabsatz und eine graue Trainingsjacke für Männer, die einem Jackett ähnelt.

"Und hinter dem Label Minä Perhonen steckt ein japanischer Stoffdesigner, der sehr farbenfrohe Stoffe hoher Qualität in Handarbeit verarbeitet." Ein neon-lachsfarbener Mantel mit verwunschenem Wald-Motiv war zuletzt das bestverkaufte Stück der Saison.

Mehr als vier Exemplare einer Art bietet der Happy Shop nicht an. "Die Stücke sollen etwas Besonderes bleiben", sagt Woeste. Etwas Besonderes seien auch die Pullover mit Skelett-Motiv des dänischen Designer-Duos "Inoue Brothers": "Die kommen aus Kopenhagen, sind aber jedes Jahr in Peru beim Scheren ihrer Alpaka-Schafe dabei. Sie lassen die Wolle später mit Seide vermischen. Eine hervorragende Qualität.", sagt Woeste. Oft nehme das Designer-Duo auch Handarbeitstraditionen verschiedener Länder und Kulturen mit in ihre Kollektionen auf. Zuletzt haben sie laut Woeste mit einem Stamm in Afrika Perlenkragen geknüpft.

Rosafarbener Schreibtisch

Sie kennt die Designer, deren Kleidung und Accessoires sie verkauft, persönlich. Woeste bietet ihnen die Bühne ihres Ladens. Eine japanische Künstlerin ließ gleich einen rosafarbenen Schreibtisch vor Ort. Auch Kissen, zum Beispiel mit Totenkopf-Patchwork, gibt es. Ebenso Nagellacke des Berliner Labels "Uslu Airlines", bunte Bärchen- und Katzengesichter-Täschchen sowie Süßwasserperlen-Ketten mit Goldbehang.

Das Stöbern im Geschäft bereitet tatsächlich Freude, auch wenn die Designerin Kunden stets im Auge behält und flugs alles, was nur ein wenig verschoben ist, wieder zurecht rückt. Bleibt nur noch eine Frage: Wenn Glück also doch käuflich ist, wie viel kostet es? "Zwischen 20 Euro für einen Nagellack und nach oben hin offen", sagt Woeste. Gerade ist allerdings Sale im Happy Shop. Glück gibt es als auch zu Schlussverkaufspreisen.

Happy Shop Torstraße 67, Mitte, Tel. 29 00 95 01, Di.-Sbd. 11 -19 Uhr, www.happyshop-berlin.com