Berliner Perlen

Näh-it-yourself

Selbstgemachtes ist einzigartig. Besonders, wenn es aus der Werkstatt von Bianca Joseph kommt. In ihrem Laden gibt es Nützliches oder einfach nur Schönes für Kinder- und Wohnzimmer

Der Wille war da, der feste Vorsatz auch: Nichts kaufen! Aber Frauen kennen das ja, junge Mütter erst recht: Wenn man in ein Geschäft kommt, in dem besondere Dinge für den Nachwuchs, den Kleiderschrank des Kindes oder die Spielecke angeboten werden, fällt es schwer, ohne etwas neu Erworbenes wieder hinaus auf die Straße zu treten. Und wenn ein Laden per Schriftzug schon draußen verspricht, mit "Kinderkrams und Nettigkeiten" zu handeln, sollte man sich lieber gleich geschlagen geben. Wie bei "Frieda Hain". Da bringen auch der stärkste Wille und der festeste Vorsatz nichts.

Bianca Joseph öffnet die Ladentür und sofort steigt der Besucher ein in eine bunte Kinderwelt. Welch ein Luxus: Eigentlich erst in einer Stunde öffnet "Frieda Hain" die Türen. Spieluhren, Kissen, Geschirr, Poster und Taschen stehen überall, eine Schatztruhe an Kinderwünschen ist dieser Raum. Und dann diese Regale: deckenhoch. Darin stapeln sich Stoffe. Etwa 500 Sorten hat Bianca Joseph im Angebot. "Viele kommen aus Amerika. Die haben tolle Textilien, wegen der langen Patchwork-Tradition. Eine Menge japanischer Stoffe habe ich auch", sagt Bianca Joseph.

Ehemalige Rock-Promoterin

Im April 2008 hat sie "Frieda Hain" eröffnet. Es ist ein Traum, den sie schon lange hegte, obwohl sie vorher etwas ganz anderes gemacht hat. "Ich war Pressepromoterin für Indie-Musik und Rock bei einer Plattenfirma. Das hat viel Spaß gemacht, vor allem am Anfang, als das ein kleines Label war und unabhängig", erzählt Bianca Joseph. Dann wurde das Label aufgekauft, danach kam noch eine Übernahme. Das kleine, einst unabhängige Label wurde immer größer und immer weniger unabhängig. Irgendwann stand ein Umzug aus Berlin nach Köln an. Doch nicht für Bianca Joseph, die inzwischen zwei Söhne bekommen hatte und nicht aus Berlin weg wollte.

Mit der Abfindung ihres alten Arbeitgebers schaffte sie es dann, wieder unabhängig zu sein. "Dieses Geld war damals der Grundstein für den Laden." Die Idee für das Geschäft war klar umrissen: "Ich habe schon immer Stoffe geliebt und schon immer etwas daraus gemacht. Das Nähen habe ich von meiner Mutter gelernt. Also dachte ich: Ich produziere etwas selbst und verkaufe das dann, dazu die Materialien, aus denen ich die Kissen oder Decken gemacht habe", sagt Bianca Joseph.

Anfangs hatte sie ein Zehntel von dem, was jetzt im Laden ist, im Angebot. Aber "Frieda Hain" war von Anfang an ein großer Erfolg: "Ich habe aufgemacht, als die Do-It-Yourself-Welle aufkam. Das ist mir aber gar nicht so recht bewusst gewesen", sagt Bianca Joseph und lächelt. Man merkt, wie wohl sie sich fühlt mit dem, was sie macht. "Früher, als ich noch allein im Laden arbeitete, war es oft so, als würde ich in meinem Wohnzimmer sitzen und ab und zu kommen Freunde herein." Wer bei der Arbeit meint, zu Hause zu sein, und Kunden als Freunde betrachtet, der hat ziemlich viel richtig gemacht.

Inzwischen arbeiten bei ihr zwei Näherinnen und sechs Verkäuferinnen. Im Online-Shop gibt es Ausgefallenes wie Kinderstrohhalme, Deckenlampen mit individueller Stoffbespannung oder ausgefallene Tapeten. Es ist Bianca Joseph wichtig, dass ihr Sortiment den Charme des Individuellen behält. "Das soll hier kein Spielzeugladen sein und ich bestelle nicht bei Messen. Sonst habe ich Dinge, die zu viele andere Anbieter führen."

Einige Firmen nimmt Bianca Joseph daher wieder aus dem Sortiment, etwa wenn der "Geheimtipp" keiner mehr ist und sich in zu vielen Geschäften kaufen lässt.

Kleine und große Waren von französischen Firmen findet man bei "Frieda Hain". Musikinstrumente, schön bemalt. Picknickgeschirr oder liebenswerte Kinderzimmerposter, von denen große Knopfaugen von Eule, Fuchs oder Elefant in den Raum schauen.

Schafskopf, Füße, Schwänzchen

Und dann gibt es noch das Schlafschaf. Eine Eigenkreation von Bianca Joseph für ihren ersten Sohn Jelle, der heute sieben Jahre alt ist. "Er hat das Schlafschaf geliebt, hat es überall mit hingenommen", sagt die 39-Jährige. Ihr zweiter Sohn ist der vierjährige Tomke.

Vor allem Männer würden das Schlafschaf gern kaufen. Es sieht aus wie ein kleines Kissen mit Schafskopf, Füßen und Schwänzchen. Ein süßer Begleiter. Und individuell, weil in Handarbeit hergestellt. "Wir nehmen auch Auftragsarbeiten für Vorhänge, Kissen oder Decken an. Das ist sehr beliebt", sagt Bianca Joseph.

Apropos beliebt: Bei einem Blick aus auf die Straße ahnt man, dass es gleich soweit sein muss: Verkaufsbeginn bei "Frieda Hain". Die Kunden stehen tatsächlich schon draußen. Sie scheinen zu wissen: Hier finden sie ganz sicher eine "Nettigkeit", etwas Besonderes für jemand Besonderen. Wenn das mal kein guter Grund ist, mit festen Vorsätzen zu brechen, und vielleicht doch ein Fundstück zu kaufen.

Frieda Hain Gärtnerstraße 10, Friedrichshain, Tel. 41 76 14 75, friedahain.de, Mo.-Fr. 11-18.30 Uhr, Sbd. 11-16 Uhr