Bühnencheck

Politische Korrektoren

Das neue Stück der Distel "Wie geschmiert!" erzählt von den Machenschaften der Lobbys: Vorbei sind da die Zeiten, als Interessenvertreter Referenten beknien mussten. Bei der Distel sitzen sie längst selbst in allen Bundesministerien, schreiben sogar an Gesetzestexten mit. Keiner kennt die grauen Strippenzieher, nichts läuft ohne sie, doch unantastbar sind sie nicht.

Zwei von ihnen hat man im Stück mit getürkten Einladungen zum Lobbyisten-Stammtisch beim schicken Szene-Italiener in die Falle gelockt. Rosa vom Anti-Lobby-Kommando kennt all ihre dreckigen Geheimnisse, von unehelichen Kindern bis zu Alkohol-Exzessen. Genug für eine formidable Erpressung.

Dass es beim Politiker-Einseifen in der Regie von Dominik Paetzholdt reichlich zu lachen gibt, liegt vor allem an Michael Nitzel und Stefan Martin Müller, die selbst ihren Lobbyisten-Figuren noch sympathische Züge abgewinnen, und natürlich an der wunderbaren Dagmar Jaeger als krawallige Rosa, die den Klassenkampf der empörten bürgerlichen Mitte probt.

Die Ahnungslosigkeit der Politiker als Einfallstor für Lobbyisten wird dabei weidlich dargestellt. So denkt man im Stück der Autoren Martin Maier-Bode, Jens Neutag, Thilo Seibel und Sören Sieg über die Helmpflicht beim Grillen zum Zweck großer Branchenprofite nach. Und über Brandschutzmaßnahmen mit Hartz-IV-Empfängern am neuen Berliner Flughafen.

Manche Taktik ist neu für den Zuschauer, manche bekannt. Aber immer messerscharf und unterhaltsam aufbereitet. Eine Politsatire, die genug Unruhe stiftet, um beim nächsten Bericht aus dem Bundestag ganz genau hinzuschauen, wessen Interessen da von den Politikern vertreten werden: die der Wirtschaft oder die der Bürger.

Distel Friedrichstraße 101, Mitte, Tel. 20 44 70 4, 3. bis 7. 12. jeweils um 20 Uhr, 8. 12. um 17 und um 20 Uhr, Karten kosten 13 bis 29 Euro