Bühnencheck

Fabelhafte Frauen

Bis nach Australien ist Annabel vor ihrem tyrannischen Vater geflohen. Nun kehrt sie 30 Jahre später kurz nach seinem Tod ins englische Elternhaus zurück.

Statt von ihrer Schwester Miriam wird sie von Alice, der geschassten Krankenschwester ihres Vaters, begrüßt. Die behauptet, Miriam habe den Vater umgebracht und es sogar zugegeben. Für ihr Schweigen will Alice eine stattliche Summe, weshalb sich das Wiedersehen der Schwestern wenig vergnüglich gestaltet, denn Miriam hat zwar den Vater ihr Leben lang gepflegt, erbt aber nichts.

Die Berliner Erstaufführung von Alan Ayckbourns Stück "Falsche Schlange" ist kein simpel gestrickter Krimi. Der Dramatiker-Altmeister mixt auf höchst geschickte Weise klassische Spannungselemente, Familientragödie und Geistergeschichte mit rabenschwarzem Humor zu einem wendungsreichen Psychodrama.

Richtig düster und schaurig wird es beim Katz-und-Maus-Spiel des fabelhaften Frauen-Trios. Eine von ihnen ist tatsächlich eine falsche Schlange. Nur welche? Gudrun Gabriels selbstbewusste Annabel gerät zunehmend unter Druck. Hat Katharina Kochs scheinbar naives Trampeltier Miriam den Durchblick? Agnes Hilperts durchtriebener Alice indes traut man alles zu. Spannend bis zur Schlusspointe.

Kleines Theater Südwestkorso 64, Friedenau, Tel. 821 20 21. 21. & 23.11., 1., 27.-30.12. 20 Uhr, 2.12. 18 Uhr, 31.12. 19 und 23 Uhr, Karten 15 und 20 Euro.