Ausflugstipp

Spaziergang zu Kästner, Grass und Johnson

Der U-Bahnhof Walther-Schreiber-Platz liegt ziemlich genau an der Grenze zwischen Friedenau und Steglitz.

Hier beginnt - oder endet - die Rheinstraße, die Hauptstraße von Friedenau, eine Geschäfts- und Einkaufsstraße mit einer bunten Mischung an Geschäften und Lokalen.

Nach wenigen Metern geht es von der Rheinstraße rechts in die Peschkestraße, eine typische Friedenauer Wohnstraße. Die Mietshäuser mit ihren überwiegend aufwendig gestalteten Fassaden haben begrünte Vorgärten. Typisch auch die teils schmiedeeisernen Zäune. Dazwischen gibt es immer wieder deutlich kleinere Stadtvillen, die aus der ersten Bebauungsphase Friedenaus ab 1860 stammen. Ursprünglich als Gartenstadt mit Stadtvillen konzipiert, wurde zum Ende des 19. Jahrhunderts wegen der damals großen Wohnungsnachfrage in und um Berlin auch der Bau von Mietshäusern zugelassen.

An der Holsteinischen Straße gelangt man durch eine Einfahrt in die imposanten Goerz'schen Höfe *. Das schöne Backstein-Ensemble entstand um 1900 für die Optischen Anstalten C. P. Goerz, die mit Projektoren, Fernrohren und -gläsern Weltruhm erlangten und in den 20er-Jahren von Zeiss-Ikon übernommen wurden. Heute sind hier viele Ingenieurs- und andere Kreativ-Büros untergebracht.

Zurück auf der Rheinstraße führt der Weg an Juwelier Lorenz (Nr. 59) vorbei. Dort befindet sich auch ein Uhrenmuseum. Das Geschäft besteht seit 1874 und wird jetzt in der fünften Generation geführt. An der Kaisereiche vorbei, die 1879 zu Ehren von Kaiser Wilhelm I. gepflanzt wurde, geht es zum Breslauer Platz. Das Rathaus Friedenau, erbaut 1913 bis 1917 im Jugendstil, ist ein weithin sichtbares Wahrzeichen. Auf dem Platz gibt es mittwochs, donnerstags und sonnabends einen Wochenmarkt. Im Rathaus ist neben der Gerhart-Hauptmann-Bibliothek auch die Spielstätte des "Theater Morgenstern" * zu finden. Wir gehen weiter durch die Niedstraße. Sie wird auch "Friedenauer Literaturmeile" genannt: Hier lebten Erich Kästner (Nr. 5), Günter Grass (Nr. 13), Uwe Johnson (Nr. 14) und der Maler Karl Schmidt-Rottluff (ebenfalls Nr. 14).

Wir überqueren den Renée-Sintenis-Platz. Die Kirche "Zum guten Hirten" * auf dem Friedrich-Wilhelm-Platz markiert das Zentrum Friedenaus. Die stark befahrene, einer Schnellstraße ähnelnde Bundesallee (früher Kaiserallee) zerschneidet den Ortsteil. Statt entlang der Bundesallee zum Walter-Schreiber-Platz zu gehen, wählen wir also lieber den attraktiveren Weg entlang der Schmiljanstraße. Bei einem Schlenker durch die Handjery- sowie die Roennebergstraße lassen sich die ruhigen und grünen Wohnstraßen mit ihren Altbaufassaden genießen, bevor es zurück auf die quirlige Rheinstraße sowie zum Walther-Schreiber-Platz geht.