Kleine Entdeckungen

Ein Stück Berliner Industriegeschichte

Der rote Backsteinturm auf dem Grundstück an der Charlottenburger Gaußstraße ist das letzte Bauwerk auf einem längst verschwundenen Industriestandort. Als 1889 das städtische Gaswerk Charlottenburg II gebaut wurde, entstand auch der Turm mit fünf Etagen. Entworfen und erbaut vom Architekten und Stadtbaurat Paul Bratring, befand sich die Konstruktion am Westgiebel einer eingeschossigen Maschinenhalle. Im November 1891 wurde dort die Gasproduktion aufgenommen.

Ab 1974 befand sich neben dem Turm der damals weltweit größte Kugel-Hochdruckbehälter. Der zweite seiner Art wurde 1977 in Betrieb genommen. Die beiden 50 Meter hohen Stahlkugeln konnten jeweils 317.000 Kubikmeter Gas speichern. 1978 wurde die Maschinenhalle abgerissen. Mit der Umstellung der Gasversorgung Berlins auf Erdgas wurde das Gaswerk 1991 stillgelegt. Das Areal ging an einen privaten Investor. Es entstand ein Komplex für Lagerhallen. Nach 2006 wurden auch die kugelförmigen Gas-Hochdruckbehälter abgebaut. Der unter Denkmalschutz stehende Reservoirturm blieb als Zeugnis einer vergangenen Industrieepoche erhalten.