Bühnencheck

Horror in Steglitz

An Theaterabenden ist es im Stadtbad Steglitz Tradition, dass die Zuschauer im hauseigenen Café Freistil abgeholt werden, um zur Spielstätte der Inszenierung geführt zu werden.

Noch nie allerdings wurde wie dieses Mal bei zwei Einaktern nach Edgar Allen Poe gewarnt: "Bitte nicht füttern!"

Dabei wirkt das Alte Brunnenhaus, ein hoher, nicht sehr großer Raum mit Betonwänden und Rohrgeäst, überhaupt nicht wie ein gruseliger Kerker für ein Monster. Regisseur Stefan Neugebauer setzt aber auch nicht auf platte Effekte, sondern auf die Imaginationskraft der Zuschauer. Und die wird reichlich angestachelt. Angefangen mit dem infernalischen Knurren aus einem Gitterschacht tief in den Eingeweiden des Raumes. Dann arbeitet sich die Stimme einer Spukgestalt heraus, bei deren Auftritt einem der Atem stockt.

Eigentlich handelt Edgar Allen Poes Kurzgeschichte "Grube und Pendel" von unfassbaren Qualen, die ein Gefangener der Spanischen Inquisition erleidet. Doch das Spiel von Uwe Neumann als Namenlosem kann man auch ohne zeithistorischen Hintergrund sehen. Eingekerkert entdeckt der Gefangene in der Dunkelheit eine mörderische Grube und ein todbringendes Pendel, denen er ohnmächtig ausgeliefert ist. Anfangs etwas verwirrend, fesselt der intensive Monolog immer stärker.

Auch Poes "Das verräterische Herz" ist ein Crescendo existenzieller Gefühle. Dabei fängt alles ganz leicht an. Anette Daugardt gibt eine flirrende Frauengestalt, die trendy scheint, aber zunehmend dem Wahnsinn verfällt. Ein irres Spiel auf Leben und Tod, dem man gebannt folgt.

Stadtbad Steglitz Bergstr. 90, Steglitz, Tel. 54 77 31 18, Termine: 25./ 26.10., 1.-3./ 10./ 15.-17./ 24.11. um 20 Uhr, 2./ 9.12. um 19 Uhr, Tickets 18 / 12 Euro.