Berlin genießen

Auf Familienrezept

Eltern und Kinder, die gemeinsam in der Küche stehen: Das funktioniert gleich in mehreren Restaurants in Berlin

"Le fai una Bolognese Paccheri, Vincenzo", ruft Isa Lanza, "mach ihm eine Portion Paccheri-Nudeln mit Bolognese." Mit ihrem Organ hätte die 53-Jährige aus der Lombardei auch Opernsängerin werden können. Ihr im Wilmersdorfer Gertrauden-Krankenhaus geborener Sohn Vincenzo schaufelt die Streichholz-großen, flachen Nudeln mit Fleischsauce und Kräutern auf einen Teller und schiebt ihn in die Mikrowelle. Dann ruft er seinem Zwillingsbruder Franco zu: "Due espressi, Tisch neun!"

Im Non Solo Vini geht es laut zu. Man wird schnell geduzt, aus den Lautsprechern dröhnt Italo-Pop. Pausenlos wird mit den Gästen geredet und gescherzt. "Am Anfang war mir das gar nichts, als die Jungs hier nach der Schule anfingen", sagt Isa Lanza. "Ich wollte, dass sie studieren." Aber das wollten ihre beiden Söhne nicht. "Wir hatten Lust auf Gastronomie", sagt Franco Lanza. Zweifel, mit den Eltern so eng zusammen zu arbeiten, hatten sie nicht. "Wir kannten ja ihre Macken", sagt Vincenzo. "Und sie unsere", sagt Franco. Schon als Kinder haben sie im Feinschmecker-Restaurant Ars Vivendi der Eltern an der Podbielski-Allee mitgeholfen. Hinter der Vitrine hängt ein Foto, das sie beim Erbsenschälen zeigt. "Kinderarbeit", sagt Franco Lanza - und lacht. 2004 eröffnete die Familie ein Feinkostgeschäft. Hier bedienten die beiden 26-Jährigen anfangs nur, wuschen ab, räumten Teller weg. Das hat sich geändert. Ein Großteil der Antipasti wie die Mozzarella-Rolle mit getrockneten Tomaten, Schinken und Rucola, der Pfifferling-Salat und Mittagsgerichte wie die Paccheri-Nudeln war ihre Idee. "Man muss wissen, wann man mal den Mund halten muss, sollte zuhören, und braucht viel 'amore'", sagt Isa Lanza. Und wenn es mal kracht? "Dann kracht es eben. Das ist wie ein Gewitter. Danach ist die Luft besser", sagt Vater Salvatore Lanza.

Wie bei Familie Lanza ist bei vielen Zuwandererfamilien in der Gastronomie generationsübergreifende Zusammenarbeit verbreitet. Bei Familie Nham aus Vietnam, Besitzer des vegetarischen Restaurant Chay Village in Schöneberg, arbeitet zum Beispiel Tochter Linh im Service. "Ich helfe meinen Eltern", sagt die 21-Jährige, "sie sprechen zu wenig Deutsch - und Angestellte können wir uns nicht leisten."

Auch im Restaurant Zander in der Nähe des Kollwitzplatzes sind es wirtschaftliche Gründe, die für den Familienbetrieb sprechen. Mutter Heidrun und Vater Roland Albrecht arbeiten zusammen mit Sohn Sven. "Der Familienbetrieb ist häufig Selbstausbeutung", sagt Roland Albrecht. "Meine Frau arbeitet auf 400-Euro-Basis. Die Geschäfte laufen einfach nicht mehr so gut." Spaß mache es trotzdem, sagen die Albrechts. Roland Albrecht hatte als Kellner im Palast der Republik gearbeitet, bevor er 1999 mit seiner Frau den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Heute kümmert sich Ehefrau Heidrun um den Service und das Personal, Roland Albrecht ist "Empfangsdirektor und Mädchen für alles in Personalunion". Sohn Sven begann nach der Schule eine Ausbildung zum Koch. Nach verschiedenen Stationen kam er 2007 ins elterliche Lokal. Seitdem steht er am Herd. "Ich wollte sie unterstützen", sagt er.

Vertrauen statt Kontrolle

Das läuft nicht immer ganz harmonisch ab. "Natürlich gibt es Streit, aber das ist ganz normal", sagt Vater Roland Albrecht. Den ausgleichenden Part übernimmt Mutter Heidrun, die er als die "gute Seele vom Janzen" bezeichnet. Sie ist Streitschlichterin zwischen "den Jungs", wie sie lächelnd sagt. "Am besten ist, die Beiden arbeiten in ihrem festen Bereich." Sven Albrechts Rezept zum Stressabbau lautet: "Nicht nachtragend sein. Ein kurzes 'Entschuldigung' hilft meistens." Ein Familienbetrieb sei aber immer noch am schönsten. Mit früheren Partnern habe man sich auch gestritten, sagt Heidrun Albrecht. Und die engen Familienbande hätten einen großen Vorteil: "Wir vertrauen uns. Die Zeiten, dass man abends die Kasse überprüfen muss, sind vorbei", sagt Heidrun Albrecht.

Non Solo Vini Güntzelstraße 26, Wilmersdorf, Mo.-Fr. 10-20 Uhr, Sbd. 10-16 Uhr, Tel. 86 39 80 92, www.nonsolovini.de

Zander Kollwitzstraße 50, Prenzlauer Berg, Di.-Sbd. ab 18 Uhr, So. 12-24 Uhr, Tel. 44 05 76 78, www.zander-restaurant.de

Chay Village Eisenacher Straße 40, Schöneberg, Mo.-Sbd., 12-23 Uhr, So. 13-23 Uhr, Tel. 89 20 45 54