Best of Berlin

Sehens-Werte

Es gibt kaum etwas, was sich nicht ausstellen ließe. Berlin bietet spannende und kuriose Museen, die sich Dingen wie Zucker, Buchstaben oder Punkrock widmen. Eine Auswahl

Wedding: Alles über die Welt der Zuckerrübe

1. Es ist mit über hundert Jahren das älteste Museums seiner Art und wahrscheinlich das süßeste Museum der Stadt: das Zuckermuseum. Zucker, von der Zuckerrübe bis zum Zuckerdoseninhalt, ist nicht nur ein kulinarisches Thema. Auch kulturgeschichtlich, naturwissenschaftlich, technisch, landwirtschaftlich und künstlerisch gibt es viel über den Süßstoff zu erfahren, darunter auch bittere Geschichte(n) aus der Zeit des Kolonialismus und der Sklavenwirtschaft.

Zuckermuseum Amrumer Str. 32, Wedding, U9 Amrumer Straße, Mo.-Do. 9-16.30, So. 11-18 h, der Eintritt ist frei, Tel. 31 42 75 74, www.sdtb.de/Zucker-Museum.6.0.html

Hellersdorf: Zeitreise in die DDR-Wohnlichkeit

2. Wie lange dauert der Bau einer Drei-Zimmer-Wohnung? Antwort: 18 Stunden. Jedenfalls wenn es sich um ein Plattenbau-Exemplar der Wohnungsbauserie (WBS) 70 handelt, wie es in den 80-er Jahren in Hellersdorf tausendfach errichtet wurde. Lust auf eine Zeitreise in diese DDR-Wohnlichkeit? Dann auf in die Hellersdorfer Straße, wo im Erdgeschoss eine Drei-Raum-Wohnung besichtigt werden kann, die bis auf wenige Details erhalten ist, die mit DDR-Möbeln wie einem Foron-Herd, einer Schrankwand aus den VEB Möbelwerken Schleiz und Blümchentapeten eingerichtet ist und einst 109 Ost-Mark Miete kostete.

Museumswohnung WBS 70 Hellersdorfer Str. 179, Hellersdorf, U5 Cottbusser Platz, So. 14-16 Uhr u.n.V., Eintritt frei, Tel. 0151 16 11 44 40

Neukölln: Hier wohnt der "Kleine Onkel"

3. Wolfgang Kurock zählt zu den bedeutendsten deutschen Marionettenspielern. Seine Marionetten, darunter verschiedene "Faust"-Figuren, sind jetzt in der neuen Sonderausstellung "Theater am dünnen Faden" zu bestaunen. Museumsleiter Nikolaus Hein kann noch mehr Neuigkeiten verkünden. Zur Gemeinschaft der rund 300 im Museum "lebenden" Puppen und Figuren hat sich Pippi Langstrumpfs Pferd, der fast lebensgroße "Kleine Onkel", gesellt.

Puppentheater-Museum Karl-Marx-Str. 135, Neukölln, U7 Karl-Marx-Straße, Mo.-Fr. 9-15.30 Uhr, So. 11-16 Uhr, Eintritt Erwachsene 3 Euro, Kinder 2,50 Euro, Tel. 687 81 32, www.puppentheater-museum.de

Friedrichshain: Als die Spiele digital wurden

4. Am Eingang, auf der "Treppe der Stars", wird man von Lara Croft begrüßt. Im Museumsshop gibt es Hausschuhe im Space-Invader-Design. Selbst wer kein Gamer ist, merkt schnell, dass er sich im Universum der Computerspiele befindet. Rund 300 Exponate, vom Pong-Automaten bis zum Kunstobjekt, einem XL-Joy-Stick, mit dem man PacMan spielen kann.

Computerspielemuseum Karl-Marx-Allee 93a, Friedrichshain, U5 Weberwiese, Mi.-Mo. 10-20 Uhr, Eintritt 8 Euro, erm. 5 Euro, Tel. 60 98 85 77, www.computerspielemuseum.de

Tegel: Kutschen, Uniformen und ein Brandzimmer

5. 1851 wurde die Berliner Feuerwehr als erste Berufsfeuerwehr in Deutschland gegründet. Der 161-jährigen Geschichte widmet sich das in der zweiten Etage der Tegeler Feuerwache auf 800 Quadratmetern untergebrachte Feuerwehrmuseum. Ausgestellt sind zwar keine Löschautos, dafür Kutschen, Uniformen, Helme, Modellautos und Fotos. Es gibt einen Taucherraum, sogar ein Brandzimmer, das verqualmt werden kann.

Feuerwehrmuseum Veitstr. 5, Tegel, U6 Alt-Tegel, S25 Tegel Di., Do. 9-16, Mi. 9-19, Fr. Sbd. 10-14 Uhr, Eintritt 3 Euro, erm. 1,50 Euro, Kinder unter 6. J. frei, Tel. 38 71 09 33, feuerwehrmuseum-berlin.de

Wilmersdorf: Der Mann mit den Lippenstiften

6. Mehr als 500 Mal stand Judy Winter im berühmten Schwanenfedermantel als "Marlene" auf der Bühne. Das Kostüm sowie ihre Requisiten gehören zu den neuesten Schätzen von René Koch. Seit der Starvisagist einst die Lippenstiftreste von Hildegard Knef zu sammeln begann, hat er ein Faible für Lippenstifte, widmet ihnen ein eigenes Museum. Fundstücke aus aller Welt gibt es zu bestaunen. Koch führt persönlich durchs Museum.

Lippenstiftmuseum im Cosmetic & Camouflage Centrum Helmstedter Str. 16, Wilmersdorf, U 7, 9 Berliner Straße, Führungen nur nach Anmeldung, Infos unter lippenstiftmuseum.de

Mitte: Alles dreht sich um Buchstaben

7. Das große "U" kennt jeder. Außer an jedem U-Bahn-Eingang ist es im Buchstabenmuseum zu sehen. Schon bevor sie lesen konnte, so Barbara Dechant, habe sie Buchstaben gesammelt. Zusammen mit Anja Schulze gibt sie Buchstaben und Schriftzügen ein neues Heim, dem "Zierfische"-Schriftzug vom Frankfurter Tor, dem in Brandenburg entdeckten "Für Ihren Bedarf" oder einem "E", dem Rest eines in Quentin Tarantinos Film "Inglourious Basterds" gesprengten Wortes.

Schaudepot des Buchstabenmuseums Berlin Carré (1. OG), Karl-Liebknecht-Str. 13, Mitte, U2, 5, 8, S5, 7, 9, 75 Alexanderplatz, Do.-Sbd. 13-15 Uhr, Eintritt 2,50 Euro, Tel. 0177-420 15 87, www.buchstabenmuseum.de

Tiergarten: Laternenparade unter freiem Himmel

8. Das Gaslaternen-Freilichtmuseum ist eine Laternenparade unter freiem Himmel. Zu finden ist sie im Tiergarten. Seit Ende der 70er-Jahre säumen rund 90 Gaslaternen aus deutschen und europäische Städten den vom S-Bahnhof Tiergarten zum Landwehrkanal verlaufenden "Großen Weg". Rund um die Uhr geöffnet, ist der Besuch ab Einbruch der Dunkelheit, wenn die Lichter angehen, am schönsten.

Gaslaternen-Museum Großer Weg, Tiergarten, S5, 7, 9, 75 Tiergarten, rund um die Uhr geöffnet, Eintritt frei

Schöneberg: Die Geschichte vom Bonsaihirschfell

9. Jedes Objekt hat seine Geschichte. Roland Albrecht hört den Dingen zu, schreibt ihre Geschichten auf. Er spürt "unerhörte" Dinge auf. Er zeigt Geduldsfäden, eine Traumabgabestelle samt anonymer Traum-Klappe, ein Bonsaihirschfell, ein spanisches Rentier. Diese und 70 weitere Exponate hängen, samt ihrer jeweiligen Geschichte, in Albrechts 20-Quadratmeter-Museum. Im Depot warten 300 weitere Fundstücke darauf, ihm ihre Story anzuvertrauen.

Museum der Unerhörten Dinge Crellestr. 5-6, ab 17.10. Mi.-Fr. 15-19 Uhr, Eintritt frei, Tel. 781 49 32, museumderunerhoertendinge.de