Kleine Entdeckungen

Biblische Wächter vor dem Kesselhaus

Sie sind nur Haut und Knochen. Ernst, skeptisch sogar wirkt das Paar, gleichzeitig aber doch zum Aufbruch ganz fest entschlossen. Mit dem Aufbruch in neue Welten haben ihre Vorbilder Erfahrung. Die beiden magersüchtigen Figuren, die den Eingang eines ehemaligen Kesselhauses bewachen sind niemand anderes als Adam und Eva.

Die markanten Bronzeskulpturen von Künstler Rolf Biebl, geboren 1951, stehen auf dem Hof der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg. Der altehrwürdige Industriestandort ist eine der wenigen vollständig erhaltenen Produktionsstätten des späten 19. Jahrhunderts in Berlin. Bis 1970 wurde in dem riesigen Klinkerkomplex zwischen Schönhauser Allee und Knaackstraße tatsächlich noch Bier hergestellt. Heute dagegen ist er ein Hort der Unterhaltungsindustrie. Dort ist wochentags und besonders am Wochenende viel Kulturvolk unterwegs zu Klubs, Cafés, Kinosälen und Theateraufführungen.

Das Kesselhaus ist die größte Location am Platz. Wenn bekannte Bands auftreten, jüngst spielte dort etwa Marius Müller-Westernhagen, schiebt sich die Schlange der Konzertbesucher zwischen Adam und Eva hindurch. Die Sockel, auf denen sie stehen mutieren dann regelmäßig zu Bierflaschensammelstellen, doch den Schöpfer dürfte das nicht sonderlich stören. Rolf Biebl stellt seine Werke gern im öffentlichen Raum aus, bierselige Abende gehören halt dazu. In Berlin gibt es etliche von seinen Plastiken. Das biblische Skulpturenduo schuf er noch vor der Wende, ihren jetzigen Platz fanden Adam und Eva allerdings erst Jahre später.