Bühnencheck

Mord und Totschlag

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Egal, wie oft Dramatiker Sidney Bruhl sein Künstler-Ego mit dem Queen-Hit "We are the Champions" streichelt, eine Motivationshilfe gegen seine Schreibblockade ist es nicht.

Manuskriptseite für Manuskriptseite wandert in den Reißwolf. Ausgerechnet jetzt erhält er die Rohfassung eines perfekten Thrillers von seinem Schüler Clifford Anderson. Frustriert erkennt Sidney sofort: Das Stück verspricht Millionen an Tantiemen. Dies weckt Begehrlichkeiten, auch bei Gattin Myra. Die schlägt vor, Clifford zum gemeinschaftlichen Überarbeiten des Dramas einzuladen, um anschließend gemeinsam zu kassieren. Gesagt, getan. Doch dann gehen Sidney die Nerven durch, und es gibt zwei Tote. Einer von ihnen hat allerdings eine wundersame Wiederauferstehung.

Nichts ist so wie es scheint in Ira Levins Broadway-Erfolg "Todesfalle" aus dem Jahr 1978, der nun in einer aktualisierten Fassung im Berliner Kriminal Theater umjubelte Premiere feierte. Regisseur Wolfgang Rumpf setzt bei dem wendungsreichen Stück aber nicht nur auf Suspense, sondern auch auf rabenschwarzen Humor mit gewitztem Grusel, der an die kultigen Edgar-Wallace-Verfilmungen erinnert. Etwa mit schrill-scheppernder Musik, wenn sich die geballte Spannung erwartungsgemäß heftig entlädt, oder wenn Hellseherin Gizi Barna (Katrin Martin) mit Hang zu großer Melodramatik selbst Banalitäten mit bedeutungsschwangerem Unterton verkündet.

Damit fügt Rumpf dem Krimi noch eine herrlich ironische Ebene hinzu, die bestens zum doppelbödigen Spiel des erstklassigen Ensembles passt. Erwartungen werden schließlich permanent in der Inszenierung unterlaufen. Eigentlich etwa meint man, bei der eleganten Erscheinung von Myra Bruhl (Heide Domanowski) und dem Villen-Ambiente (Ausstattung: Manfred Bitterlich), einen gediegenen Hochglanz-Thriller zu sehen, zuckt aber im nächsten Augenblick allerdings bei einer Splattereinlage zusammen. Besonders trügt der Schein bei Sidney Bruhl und Clifford Anderson, großartig gespielt von Thomas Gumpert und Felix Isenbügel, die das Image ihrer Charaktere ständig mit ungemein lässiger Beiläufigkeit ändern. Was Spiel und was Ernst ist, verrät erst die Schlusspointe.

Berliner Kriminal Theater Palisadenstr. 48, Friedrichshain, Tel. 47 99 74 88, die nächsten Vorstellungen sind am 6. Oktober, 3. November um 16 und 20 Uhr, sowie am 11., 15., 19., 25.Oktober um 20 Uhr, 19 bis 36 Euro

( boro )