Bühnencheck

Jeroch lässt die Worte tanzen

Sie zeigt ihm die kalte Schulter, er stößt sie weg. Dabei würden sich die beiden am liebsten leidenschaftlich umschlingen. Die Liebe ist eben Himmel und Hölle zugleich. Ein Phänomen, bei dem Wissenschaftler in Erklärungsnot geraten. Künstler hingegen wagen eher behutsame Annäherungen an das komplizierte, meist schreckhafte Wesen der Liebe und treffen oft mitten ins Herz. Wie Marcus Jeroch und sein Ensemble in dem traumwandlerisch schönen Programm "Was dem WorT AN Zeit gebLIEBEn", das nun in der Ufa Fabrik zu sehen ist.

Im Mittelpunkt stehen die Tänzer Stefan Sing und Cristiana Casadio mit ihrer artistischen Tanz-Performance "Tangram". Sie erproben alle nur denkbaren Spielarten der Liebe, experimentieren mit Nähe und Distanz, jonglieren dazu mit weißen Bällen wie mit Gefühlen. Hat man in ihre poetische, witzige Bildsprache hineingefunden,

lässt sie einen nicht mehr los. Die Magie der Zweisamkeit wird noch erhöht durch die wunderbaren Texte von Friedhelm Kändler, die Marcus Jeroch auf seine ganz eigene charismatische Weise rezitiert. Befrackt, mit weiß gepuderter Frisur, erzählt er von den großen Mysterien der Liebe, schlüpft dabei gleichnishaft in die Rolle eines Müllers, der mit einem störrischen Esel kämpft. Die Zeilen ranken sich wie gedankliche Arabesken um das tanzende Paar.

Auch die Musik begleitet die beiden mit einem eigenen Klangkosmos. Songs verstärken und kommentieren hochemotionale Innenansichten. Leises Vogelgezwitscher indes versinnbildlicht die zarte Seite der Liebe, während Stille gepaart mit gedämpftem Licht den Zuschauer vollends in eine ruhige Stimmung versetzt. Man lässt den Alltag komplett los, vergisst ihn total. Nach gut einer Stunde ist alles vorbei, doch der Zauber des Abends verfliegt noch lange nicht.

Ufa Fabrik Varieté Salon, Viktoriastr. 10-18, Tempelhof, Tel. 75 50 30, 25.-29.9., 20 Uhr, Karten kosten 19, ermäßigt 15 Euro