Drama

Träumen von der Ferne

"Wir wollten aufs Meer" bemüht zu viele Klischees über die DDR

Der Rostocker Hafen war für viele junge Männer in der DDR das Tor zur Welt. Auch die beiden Freunde Cornelis (Alexander Fehling) und Andreas (August Diehl) wollen sich als Matrosen bei der Handelsmarine den Traum von der großen Ferne erfüllen. Beide sind jung, ledig, haben keine Familie und genau deshalb versauern sie im Norden.

Die misstrauischen Staatsorgane vertrauen ihnen nicht, es sei denn, sie würden mit der Stasi paktieren. Vor allem Cornelis ist erpressbar. Heimlich trifft er sich mit seiner vietnamesischen Freundin Mai, die als "Vertragsarbeiterin" in der DDR ausgenutzt wird. Vietnamesen lebten im "sozialistischen Bruderland" meist abgeschottet. Bei Liebesbeziehungen drohte die sofortige Ausweisung.

In diesem ersten Drittel des Films "Wir wollten aufs Meer" funktioniert die Geschichte um eine Freundschaft vor der Zerreißprobe. Der Schauplatz Rostocker Hafen, die verbotene Liebesgeschichte, die Fragen nach Verrat, Anpassung oder Zivilcourage sorgen für Spannung und Interesse. Doch dann vertrauen die Absolventen der Filmakademie Baden-Württemberg Regisseur Toke Constantin Hebbeln und Drehbuchautor Ronny Schalk der eigenen Geschichte immer weniger. Sie bemühen Stasi- und DDR-Klischees, tischen dem Zuschauer eine dramatische Flucht- und Knaststory auf.

Ein jovialer Stasi-Oberst, gespielt von Rolf Hoppe, unterbreitet Cornelis einen Deal. Wenn der junge Mann seinen Vorarbeiter Matze (Ronald Zehrfeld), der sich mit Fluchtgedanken in den Westen trägt, erfolgreich bespitzelt, darf er aufs Meer. Auch Andreas ist begeistert. Ihm ist jeder Verrat recht. Ebenso wie sich die beiden Freunde langsam entzweien - Andreas wird Spitzel und Cornelis lehnt sich auf -, driftet die Charakterzeichnung zunehmend in Karikaturen. Die DDR besteht entweder nur aus Stasileuten, die sogar im freien Westen ihr Unwesen treiben oder aus aufrechten Dissidenten, die man wegsperrt.

Und der Film, der sich zunächst so behutsam an einer anderen Alltagsschilderung versuchte, nimmt plötzlich ein dramaturgisches Tempo auf, das ihm nicht gut bekommt. Am Ende bleibt die traurige Erkenntnis, dass auch gute Schauspieler, den optisch gut fotografierten und von Toke Constantin Hebbeln souverän inszenierten Film nicht retten können.

In "Wir wollten aufs Meer" haben die Macher die DDR wieder einmal als reinen Unrechtsstaat und Synonym für die Stasi dargestellt.

Drama: D 2012, 116 Min. von Toke Constantin Hebbeln mit Alexander Fehling, August Diehl, Ronald Zehrfeld