Action

Das Böse wird immer böser

Doch noch eine Fortsetzung - "Bourne Vermächtnis" mit Jeremy Renner

Wie der Zufall es so will, können wir Vergangenheit und Gegenwart des amerikanischen Actionfilms momentan nebeneinander im Multiplex betrachten. Im einen Saal, in "Expandables 2", schauen uns die von der kalifornischen Sonne gegerbten und chirurgischen Messern gestrafften Gesichter der Stallone und Schwarzenegger an und reißen Witze über ihre Langlebigkeit. In dem anderen Saal, in "Das Bourne-Vermächtnis", ist zum vierten Mal ihr Erbe zu Gange, der ein Genre, das sich selbst überlebt hatte, im Alleingang mit neuem Leben erfüllte.

Das war vor zehn Jahren, einer im heutigen Kinogeschäft unendlich langen Zeit, und so ist auch Jason Bourne schon wieder Geschichte. Man sollte nicht unterschätzen, welch einen Bruch mit der Vergangenheit Matt Damons Geheimagent verkörperte. Der amerikanische Held, das war vor Jason Bourne ein Zyniker-vor-dem-Herrn, der die Zündschnur ansteckte, noch ein Witzchen riss und dann die Leichen zählte. Matt Damon hingegen wohnte ein Geheimnis inne, und dazu eines, das er erst selbst entschlüsseln musste, und das simple Gut/Böse-Schema wurde durch die Komplexitäten der aktuellen Weltlage ersetzt. Und der Grund, weshalb unser Held wütend war, war moralische Entrüstung.

Am Trilogie-Ende, im "Bourne-Ultimatum", wurden alle Stränge ordentlich abgebunden: Intrigen aufgelöst, Schuldige bestraft, Held in Sicherheit. Teil vier, das "Bourne-Vermächtnis", musste also nicht sein und man sollte es Autor Tony Gilroy zu Gute halten, dass er keinen billigen Anschluss angeklebt hat. Mr. Bourne geistert nur noch als Phantom herum, die Geheimdienstler raunen, er sei in der Stadt, und einmal sieht man seinen Pass und einmal ein "Wanted"-Poster.

Gilroy öffnet den Geheimdienstvorhang etwas, und parallel zu der Verschwörung, die Bourne erledigt hat, werden weitere sichtbar. Nervös geworden, versuchen die Chefs die Spuren eines anderen illegalen Programms zu tilgen, das ihre Kämpfer genetisch verändert, um ihnen übermenschliche geistige und körperliche Kräfte zu verleihen. Der Neue darf im Nahkampf einen Wolf in Alaska besiegen und eine Drohne vom Himmel holen, die ihn erledigen soll. Aber nun schicken die Chefs ihren Agenten statt der gewohnten Aufbau- böse Todespillen. Der einzige, der sie nicht schluckt, ist Aaron Cross. Nun ist er der Gejagte. Und seine Puppenspieler - der oberste von ihnen Edward Norton- sitzen in ihren Washingtoner Büros und suhlen sich in ihrem tödlichen Widerspruch: "Was wir tun, ist sowohl moralisch nicht zu rechtfertigen als auch absolut notwendig."

Das Grundmuster ist also ähnlich und so hängt alles von seiner Ausführung ab. Jeremy Renner (Oscar-nominiert für Kathryn Bigelows Oscar-Gewinner "Hurt Locker") ist ein fähiger Schauspieler und bringt die für Cross nötige Intensität mit. Tony Gilroy, der nicht nur das Buch schrieb, sondern auch Regie führt, nimmt einiges von der hyperkinetischen Energie zurück, mit der Paul Greengrass die Trilogie aufgeladen hatte; seine Schnittfolgen gingen an die Grenze dessen, was ein menschliches Auge noch wahrzunehmen vermag.

Anders als sein Vorgänger scheint Gilroy beim Dreh ein Stativ gehabt zu haben. Greengrass hat einen vierten Teil im Vorfeld einmal scherzhaft "Die Bourne-Überflüssigkeit" genannt.

Überflüssig mag er sein, aber Jeremy Renner hat Chancen, dem Lazenby-Syndrom zu entkommen. George Lazenby spielte als Sean Connerys Nachfolger James Bond - einmal und nie wieder. Am Ende von "Bourne-Vermächtnis" muss Renner gegen eine noch roboterhaftere Agentenzüchtung antreten, die vermutlich aus einem weiteren Geheimdienstprogramm stammt, das auf seine Aufdeckung noch wartet.

Action: USA 2012, 135 Min., von Tony Gilroy, mit Jeremy Renner, Rachel Weisz, Edward Norton