Bühnencheck

Duell auf hoher See

Für Millionär Connor gibt es nur ein Mittel gegen die Langeweile auf dem Hochsee-Luxuxliner: eine gekaufte Schachpartie gegen Schachweltmeister Czentovic.

Dieser gewinnt in wenigen Zügen. Auch eine Revanche droht zu scheitern. Bis der vorbei schlendernde Dr. Bertram eingreift und die Partie noch in ein Remis verwandelt. Nach langem Hin und Her ist er bereit, am nächsten Tag ein weiteres Spiel zu bestreiten, und jeder an Bord fragt sich, welches Geheimnis hinter seinen erstaunlichen Spielkünsten steckt?

Die "Schachnovelle" von 1942 ist das bekannteste Werk Stefan Zweigs. Nun zeigt das Kleine Theater die Berliner Erstaufführung des Klassikers in einer Bühnenfassung von Helmut Peschina.

Regisseurin Karin Bares gelingt dabei ein grandioser Schachkrimi mit einem hervorragenden, nuanciert aufspielenden Ensemble. Allen voran Marcus Off als Dr. Bertram, den beim Schachspiel dunkle Erinnerungen an seine Zeit in der Isolationshaft einholen: Kurz davor, zu zerbrechen, war es ihm gelungen, bei einem Verhör ein Buch mit 150 Schachpartien zu stehlen, die er auswendig lernte. Zukünftig spielte er gegen sich selbst, was zu einer Persönlichkeitsspaltung führte. Deshalb hatte er sich später geschworen, nie wieder eine Schachfigur anzufassen. Bis zu seiner Begegnung mit Czentovic.

Wie auch die Novelle verschränkt die Aufführung kunstvoll die heitere Rahmenhandlung mit der tragischen Erzählung. Perfekt komponierte Unterhaltung mit Tiefgang.

Kleines Theater Südwestkorso 64, Friedenau, Tel. 821 20 21. Nächste Vorstellungen: 14. & 15.9, 3.10., 5. & 6.10., 27.10., 20 Uhr, 16.9., 28.10., 18 Uhr, Karten kosten 15-20 Euro