Klassik: Carmen

Opern-Show am Wannsee

Carmen: Bei den Seefestspielen kann man den Klassiker im Cinemascope-Format erleben

Noch kurz vor der Premiere hatte Peter Schwenkow, verantwortlicher Chef der Deutschen Entertainment AG, angekündigt, Berlin mit seinen sommerlichen Wannsee-Produktionen den Rücken kehren zu wollen, aus Verärgerung über die Behörden. Viele Misstöne und schrilles Crescendo also, aber wenn vor der Wannseekulisse - und hoffentlich bei schönem Wetter und einem hübschen Sonnenuntergang - Carmen ihrem tragischen Ende entgegentanzt und -trällert, gilt nur noch die Musik Bizets - und, nun ja: das Spektakel.

"Viele Zirkuselemente" verspricht Volker Schlöndorff. Der Filmregisseur, der für seine "Blechtrommel" 1980 den Oscar erhielt, weiß, wie man magische Momente schafft und was er dem Publikum schuldig ist. Und so biegt er die Oper selbstbewusst in ein "witziges Showprogramm" um. Den elf Meter hohen und 22 Meter breiten spanischen Fächer, der die Bühne beherrschen soll, hat er sich vom Studio Babelsberg zimmern lassen. Man braucht sich also nicht unbedingt nur für die ernste Musik zu begeistern, um diese Produktion zu genießen, auch die Freude am überwältigenden Effekt wird hier furios bedient.

Jetzt geht es also "auf in den Kampf", für die Leidenschaft, gegen die bürgerliche Moral - nur hoffentlich nicht gegen die Verschwörungen des Wetters. In der schlöndorffschen Cinemascope-Inszenierung singt Julia Rutigliano die Titelrolle und Hans-Georg Priese ihren rasenden Liebhaber Don José.

Klassik: Seebühne Wannsee, Wannseebadweg 25, Tel. 1805 969 00 05 55. Premiere 16. Aug., 19.30 Uhr. Bis 2. Sept.