Dokumentation

Leben für die Fotografie: "Life in Stills"

An der Ecke Allenbystraße/Ben Yahuda Straße steht seit 1940 "The Photohouse", das älteste Fotogeschäft in Tel Aviv.

Mehr als eine Million Fotos werden dort aufbewahrt, die vor allem die Geschichte Israels und Tel Avivs dokumentieren. Geleitet wird es bis heute von Miriam Weissenstein, einer resoluten Dame, die mit ihrem Mann, dem Fotografen Rudi Weissenstein, den kleinen Laden gründete, in dem sich auch heute noch Kunden tummeln und das einmalige Fotoarchiv bestaunen.

Rudi Weissenstein war 1948 der einzige Fotograf des Landes, der bei der Unabhängigkeitserklärung Israels dabei sein durfte. Später fotografierte er alle bedeutenden Politiker des Landes von Ben Gurion, Golda Meir bis hin zu Jitzhak Rabin und Schimon Peres. Immer wieder hat man Miriam Weissenstein viel Geld für das einmalige Archiv geboten, aber sie will nicht verkaufen. Es soll weiterhin allen offen stehen. 2010 sollte ihr kleiner Laden abgerissen werden. Mit Ben, ihrem engagierten Enkel, kämpft die rüstige Dame gegen die Pläne der Städtebauer für das letzte "Photohouse" in Israel. Sie will gar keine Kompromisse eingehen, obwohl die Stadt ihr ein neues Geschäft verspricht.

Die alte Dame ist streitbar, launisch, stur und kokettiert permanent mit ihren Altersgebrechen. Zunächst weigert sie sich beispielsweise, nach Deutschland zu einer Ausstellungseröffnung zu fliegen, ändert dann jedoch ihre Meinung. In Frankfurt hält sie eine humorvolle Rede auf Deutsch und begeistert die Gäste der Vernissage.

Der Filmemacherin Tamar Tal geling es in dieser so wunderbar leichten Dokumentation, einen lebensbejahenden Film zu schaffen über die verbindende Kraft zwischen Enkeln und Großeltern, der auch eine Familientragödie integriert. Bens Mutter wurde vom eigenen Vater getötet, der sich daraufhin selber das Leben nahm.

Nach Festivalerfolgen kommt "Life in Stills" nun auch in deutsche Kinos. Es lohnt sich.

Dokumentation: Israel 2011, 58 Min., von Tamar Tal

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