Film: Magic Mike

Die nackte Wahrheit

Magic Mike: Ein Film über Stripper-Jungs im Würgegriff der harten US-Ökonomie

Je kürzer die Röcke, desto besser laufe die Konjunktur, lautet eine gern verwendete Sentenz. Ganz anders sieht es aus, wenn man als Wirtschaftsindikator auch mal Männerkleidung mit einbezieht. Hier gilt, je weniger der Mann trägt, desto schlechter steht es um die Ökonomie. Der männliche Stripper ist eine Ikone der Krise, wie die Zigarre eine des Booms ist. "Magic Mike" ist bei allem Oberflächenreiz, der von Waschbrettbäuchen und strammen Hintern ausgeht, ein Film mit Nachhall, weil er das prekäre Wirtschaften im krisengeschüttelten Amerika so "nackt" präsentiert, wie man es im Kino selten sieht.

Diese Unverblümtheit, die ganz ohne Melodrama auskommt, mag auch damit zusammenhängen, dass "Magic Mike" auf wahren Begebenheiten beruht: Channing Tatum, der die Hauptrolle spielt und als Produzent beteiligt ist, ließ fürs Drehbuch eigene Erlebnisse verarbeiten. Die Rolle spielt Ex-Burberry-Model Alex Pettyfer, der hier Adam verkörpert, einen 19-jährigen College-Abbrecher. Pettyfer spielt den Neuling Adam als James-Dean-Variante: Sein gutes Aussehen ist eine Fassade, hinter der gefährliche Mengen an Trotz und Unwillen hervorblitzen. Bei einem Job als Dachdecker fällt er dem Vorarbeiter Mike (Tatum) auf - durch sein Ungeschick. Statt ihm Vorwürfe zu machen, greift Mike Adam unter die Arme. Im weiteren Verlauf stellt sich heraus, dass Mike bereits so etwas wie einen Plan für Adam hat. Er nimmt ihn mit in eine Bar, zunächst scheinbar arglos, doch dann setzt er ihn geschickt als Lockvogel für weibliche Kunden ein. Die nämlich sollen ihnen nach nebenan folgen, in den Club "Xquisite", wo der exzentrische Dallas (Matthew McConaughey) eine Truppe von männlichen Strippern anführt, zu der auch Mike gehört. Kaum dass er sich versieht, wird Adam von Mike auf die Bühne geschubst, wo er sein Potenzial zeigt und angeheuert wird.

Mike ist ein Mann mit vielen Talenten: Tagsüber arbeitet er als Dachdecker, nachts als Stripper, dazwischen poliert er noch Autos auf Hochglanz. Die Dreifachschicht soll ihn seinem Traumjob näherbringen: Er will ein Geschäft für selbst entworfene Möbel eröffnen. In einer Schlüsselszene sieht man ihn mit einer Bankangestellten um einen Kredit verhandeln. Doch all sein Charme und sein selbstbewusstes Auftreten nützen ihm nichts. In "this economy" hat einer wie er keine Chance auf einen Kredit.

Regisseur Soderbergh nimmt solchen Szenen die Plakativität der wohlfeilen Zeitkritik. Er inszeniert sie mit versierter Beiläufigkeit, die den Figuren ihren Raum lässt für Ambivalenzen und Unsicherheiten. In den Stripper-Szenen spürt man den Spaß, den hier die Männer haben, wobei immer wieder auch Momente der Peinlichkeit aufscheinen. Aber es sind letztlich die Szenen drumherum, die einen tieferen Eindruck machen. Garderobenaufnahmen, die die Stripper als sich schminkende Diven zeigen. Man erfährt Detailliertes über die Ökonomie des Ganzen und die Verteilung der Einnahmen. Und dann gibt es noch eine ganz wunderbar lakonische Liebesgeschichte, die umso romantischer wirkt, weil sie so gut wie unausgesprochen bleibt.

Drama: USA 2012, 110 Min., von Steven Soderbergh, mit Channing Tatum, Alex Pettyfer, Matthew McConaughey

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